Um einen Vortrag vorzubereiten,
teile ich zuerst die Redezeit thematisch ein.

Etwa zehn Prozent plane ich für Rand-Notizen. Fünf Prozent ‚reserviere‘ ich für unterhaltsame Neben-Aspekte. Die übrigen 85 Prozent nutze ich stringent dafür, dass Kern-Thema einzuleiten, im Pro und Kontra vorzustellen und schließlich zum Fazit zu führen.

Bevor ich zu ausformulierten Sätzen greife, brainstorme ich,
was ich zu sagen habe und warum ich mich überhaupt äußern will.

Ich stelle mir beispielsweise vor, wie ich mit den Fachfremden aus meinem Freundeskreis über ‚meine Rede‘ sprechen würde, welche Rückfragen oder Anmerkungen sie hätten. Dabei kommen mir oft die ersten ‚Geistesblitze‘. Diese Treffer notiere ich auf Flipchart-Papier. Danach mache ich eine kreative Pause. Das heißt: Ich tue erst einmal etwas völlig anderes. Und zwar für mindestens zwei Stunden.

Im nächsten Schritt ordne ich die Flipchart-Notizen auf einer Kartei-Kartei
zu einem ‚Stichwort-Manuskript‘.

Ich sortiere, was an den Anfang, Hauptteil und Schluss gehört. Daraus ergibt sich ein erzählerisches ‚Gerüst‘ aus Leit- und Nebengedanken, aus Motiven und Antriebsquellen.
Diese ‚Stichwort-Ordnung‘ spreche ich in den Raum hinein, um zu ‚hören‘, ob bereits thematische Spannungsbögen darin stecken.

Sobald die ‚Dramaturgie‘ stimmt, formuliere ich den ersten und letzten Satz
meines Vortrags. Aus meiner Sicht sind das die zwei wichtigsten Sätze.

Sie sollten die Aufmerksamkeit des Publikums ‚ziehen‘ und bestenfalls sogar ’nachhallen‘. Deshalb verwende ich auf die Einstiegs- und Schlussworte relativ viel Zeit, bis beide für mich ‚passen‘ – kurz, bündig und prägnant. Dann schreibe ich den Anfang und den Schluss der Rede. Danach mache ich wieder bewusst Pause.
Im vorletzten Schritt texte ich aus dem ‚Stichwort-Manuskript‘ (und ggf. den Flipchart-Notizen) den Hauptteil meiner Rede. Wenn das Manuskript von A bis Z fertig ist, habe ich ungefähr zwei Drittel meiner Vorbereitung geschafft.

Dabei achte ich auf folgendes:

  • das Thema zu erfassen
  • und eine Information pro Satz zu geben,
  • einen bildhaften Sprachgebrauch zu haben
    und authentisch – ‚bei mir‘ – zu bleiben,
  • drei Kern-Aussagen zu treffen und möglichst Humor zu zeigen,
  • Zitate und alltagsechte Beispiele zu bringen, ohne zu langweilen.

Last, but not least gilt jetzt noch, den öffentlichen Auftritt zu ‚probieren‘.
Ich achte darauf, dass…

  • …die Übergänge von einem Teil zum nächsten glatt sind,
  • …der Text vertraut genug wird, um den Blickkontakt
    mit dem Publikum zu meistern,
  • …Schriftgröße, Zeilenabstand und Nummerierung okay sind.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

Eine Antwort »

  1. Mann muss einfach reden, aber kompliziert denken, nicht umgekehrt.

    Franz Josef Strauß

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