Kurzzeitig ins Blackout zu tappen oder im Redefluss zu stocken,
passiert unerwartet
– wie aus dem Nichts heraus.

Ich halte mich in solchen Momenten an die britische Redensart: „Don´t make a drama out of a crisis.“ Die gute Nachricht ist nämlich, dass der gerissene Faden dem Gegenüber oft gar nicht auffällt. Zudem ist die sogenannte Fremdwahrnehmung – also der Eindruck anderer ‚von außen‘ – in der Regel milder als das subjektive(re) Selbsturteil.
Wenn der Aussetzer tatsächlich registriert wird, kann man auch damit punkten, ihn gekonnt in den Griff gekriegt zu haben. Als US-Präsident Barack Obama im Jahr 2009 den Amtseid ablegte, vergaloppierte er sich zum Beispiel bei der Eidesformel – und wirkte prompt sympathischer als vorher. Entscheidend ist, in der verfahrenen Situation souverän zu bleiben und den Mut zum Improvisieren zu fassen.

Ich nutze zum Beispiel u.a. diese Methoden:

  • Meistens genügt eine Sprechpause, um mithilfe der ‚inneren Stimme‘ den Gedankengang zu sortieren und ‚in Ordnung‘ zu bringen.
  • Sich zu vergegenwärtigen, dass man – beruflich oder privat – ähnliche Fadenrisse rhetorisch ‚reparieren‘ konnte, gibt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück.
  • Tief durchzuatmen entspannt den Körper und gibt der Stimme neue Kraft.
    Einen Schluck Wasser zu trinken beruhigt die Nerven.
  • Sich darüber bewusst zu bleiben, dass man weiß, was man weiß und kein Grund dafür besteht, die persönliche Kompetenz anzuzweifeln, hilft, die Haltung zu wahren.
  • Darauf zu setzen, dass das Unperfekte nur menschlich ist und dass das Gegenüber wahrscheinlich Verständnis dafür hat, entkrampft den vertrackten Augenblick.

Mit Gespür für Situationskomik kann man das eigene Blackout sogar rhetorisch ummünzen, zum Beispiel, indem man offen akzeptiert, dass der ‚innere Gedankenapparat‘ gerade haperte und deswegen die Linie neu gezogen wird.

Um jederzeit und überall auf mentale Blackouts eingestellt zu sein, erweitere ich mein improvisatorisches Repertoire auch dadurch, dass ich die lebensalltägliche Real-Satire bewusst wahrnehme und anderen Menschen möglichst aktiv zuhöre.
Zudem sehe ich jede Woche diverse Satire-Shows. Diese Formate verdrehen bewusst den Gedanken, um Überraschungseffekte zu erzielen, unerwartete Schlussfolgerungen zu ziehen und originelle Blickwinkel aufzuzeigen. Damit geben sie professionelle Beispiele für die Kombinationsmöglichkeiten zwischen Information, Unterhaltung und Brückenschlag. Daraus ergibt sich wiederum ein fruchtbarer Nährboden für die eigene Schlagfertigkeit und Geistesgegenwart. Und auch für Humoristika.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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