Die Persönlichkeit des Menschen wirkt sich ganzheitlich auf das individuelle Kommunikationsverhalten aus. Wer zuhört, filtert die Information desjenigen, der spricht, u.a. nach den eigenen empirischen und ethischen Werten – und nach der Struktur der persönlichen Identität insgesamt.

Eine Rolle spielt dabei u.a. die Prägung durch die Erziehung, die Bildung, die Kultur und das Umfeld. Allerdings gilt dasselbe für den Sprechenden. Hier wird u.a. die Tonalität und die Art der Formulierung „gefiltert“, sodass aus zwischenmenschlicher Verständigung hin und wieder ein störungsanfälliges Gefüge wird.
Zudem bedingt die höchsteigene Individualität, was überhaupt zur Sprache gebracht wird – wie, wann, warum, von wem und zu wem es gesagt wird. Kurzum: Die Informationen, die wir sprachlich einander vermitteln, sind an beiden Enden flankiert von emotional gefärbten „Codes“. Sie bilden eine interpersonelle Beziehungsebene und können fast jeder Sachlichkeit zum Trotz destruktiv dazwischenfunken. In einer angespannten Situation wirken sie manchmal wie ein regelrechter Störfaktor, statt  – wie im „Normalfall“  – eine emotionale „Allianz“ heranzubilden und zu fördern.
Als Konsequenz bedeutet das u.a., dass von der einen oder der anderen Seite relativ abstrakte Projektionen mitschwingen. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass Gedanken, Vermutungen, Unsicherheiten oder Befürchtungen quasi sachgrundlos ins Gegenüber hineingelesen und buchstäblich „übertragen“ werden. Dadurch wird die Kommunikation komplex, wenn nicht gar kompliziert. Die Beziehungsebene verzerrt sich dann nämlich in ihrer Bedeutung. Die sachliche Information gerät dabei flugs aus dem Fokus, bis sie gänzlich auf der Strecke bleibt.
In einer solchen Situation übernimmt in der Regel das identitätsspezifische Konzept desjenigen, der projiziert, eine Steuerungsrolle  – und zwar „über die Gebühr hinaus.“ Dabei werden Deutungsschlüssel angewandt, die fast ausschließlich auf das Innenleben einer einzigen Person passen, ohne dass äußere Korrektive greifen, wie etwa Selbstachtsamkeit oder die Selbst-Reflexion zugunsten möglichst objektiver Fremd- und Selbstwahrnehmungen.

Besonders schwierig wird es, wenn die Projektionen – bewusst oder unbewusst – dadurch motiviert sind, dass der Projektierende von den eigenen Defiziten ablenken will oder die Auseinandersetzung mit sich selbst scheut.

Angesichts solcher Motivationskraft werden die Projektionen mitunter besonders „erfolgreich“ übertragen. Bei einem empathischen Gegenüber ist dann beispielsweise die Folge, dass sie/ er das persönliche Kommunikationsverhalten angleicht, um sich der Projektion anzupassen oder ihr zu entsprechen, statt sie zu ignorieren oder zu entkräften. Dies führt zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen spezieller Art.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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