In den Debatten rund ums ‚Querschnittsthema‘ der Frauenförderung taucht der Begriff der sogenannten ‚Gläsernen Decke‘ mit steter Wiederkehr auf – wie ein Quietscheentchen aus Plastik, das auf den medialen Wellen wacker durch die Wetterlagen getrieben wird.

Dabei gerät mitunter aus dem Blickfeld, dass mit der Metapher ursprünglich ein realer konstruktionstechnischer Versuchsaufbau beschrieben wurde: Mithilfe einer für die Probanten unsichtbaren gläsernen Trennplatte hatte ein U.S.-amerikanisches Forschungsteam den Lebensraum von Aquariums-Fischen dergestalt unterteilt, dass die Wassertiere zwangsläufig mit den Mäulern gegen die Glasplatte stießen, sobald sie ans Futter gelangen wollten. Nach einiger Zeit unterließen sie jeden Versuch der Nahrungsaufnahme – sogar noch nachdem die Trennplatte selbst entfernt wurde.
Beim Streitthemen wie etwa der Quotierung von Führungsposten zugunsten von Frauen wird mitunter ausgerechnet den hochqualifizierten Frauen unterschwellig unterstellt, dass sie eine solche Quotierung einfordern würden, weil ihnen das Vertrauen in ihr eigenes Durchsetzungsvermögen abhanden gekommen sei. Oder – ähnlich wie bei den Aquariums-Fische – der persönliche Erfolgsglaube verkümmert wäre. Ich meine allerdings, dass Frauen keine Fische sind.
Zumindest in meinem eigenen beruflichen Umfeld erlebe ich jede Woche, dass die meisten Frauen lösungskompetent agieren wie auch strategisch-situationsgerecht reagieren – nicht zuletzt in Top-Management-Skills wie Verhaltensklarheit, Konflikt-, Kontakt- und Organisationsfähigkeit.
Aus meiner Sicht bedingt gerade diese Selbst-Fokussierung auf das funktionale ‚Machen‘, dass Frauen häufiger als Männer dazu tendieren, sich zuerst um die Inhalte des Management ‚zu kümmern.‘
Demgegenüber werden die statusspezifischen Formen des Managements flugs ‚anbei gestellt.‘ Um solchen Zwickmühlen der Selbst-Sabotage entgegenzusteuern, bewährt sich meiner Meinung nach, sich beide Pole – sprich: Form und Inhalt – in ihren jeweiligen Zweckmäßigkeiten vor Augen zu halten. Zum Beispiel, indem man die Subjektivität von ‚Inhaltsleere‘ bzw. ‚Formlosigkeit‘ hinterfragt. Das vermeintlich ‚inhaltslose Ränge-Geplänkel‘ mancher Verhandlungsrunden dient nämlich mitunter dazu, die wechselseitigen Grenzen der Ausdauer, Belastbarkeit und Verhaltenstoleranz auszuloten. Zudem nützt diese Art des Kräftemessens u.a. bei der formalen Zusammenstellung von Projekt-Teams und der anschließenden inhaltlichen Aufgabenverteilung.

Die sozialwissenschaftliche Differenzierung von ‚formeller‘ und ‚informeller Gruppenführerschaft‘ verdeutlicht diesen Hintergrund.

Sie enthält u.a. die hellsichtige Erkenntnis, dass beide funktionalen Rollen prinzipiell in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander stehen, weil zum Beispiel die formelle Führungsperson die gruppeninternen Regeln festlegt, während der informelle Gegenpart eigeninitiativ einen Einfluss darauf nimmt, ob das Regelwerk eingehalten wird – und falls ja: wie.
Um die persönliche Anerkennung zu erhöhen, gilt daher, mindestens eine_n solche_n Funktionsträger_in von sich samt Kompetenz überzeugen zu können. Formal betrachtet ist dafür u.a. wichtig, eigenständige Beiträge ‚zu produzieren‘ und zu ‚(re-)präsentieren‘, indem man sie beispielsweise schriftsprachlich unterzeichnet oder stimmsprachlich namentlich benennt. Zudem greift zunächst die kommunikationswissenschaftliche Grundregel, dass wie etwas mitgeteilt wird meist mehr Ausschlag hat als das, was überhaupt mitgeteilt wird. Danach greift ergänzend das Prinzip „Content is King.“ Dass also der Zugang zu Informationen die Handlungsfreiräume ebnen und
öffnen kann. Kurzum: Inhaltlich betrachtet kommt es darauf an, an welcher Position der Informationskette man selbst gerade steht und wer wen informiert – wann und aus welchem Anlass heraus. Schlussendlich blockiert oder bahnt sich jede_r den eigenen passenden Weg. Oder folgt alternativ der Erkenntnis von Albert Einstein (1879 – 1955), denn:

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können,
muss man vor allem ein Schaf sein.“ – 
Albert Einstein (1879 – 1955) –

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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