Gangbare Lösungswege entwickle ich oft aus selbsterlebten positiven Erfahrungen heraus. Sie stützen meine Zuversicht und die Fähigkeit, konstruktiv vorwärts zu denken, zu planen und zu handeln. Gleichzeitig bedingt mein Beruf, sogenannte worst case scenarios bewusst im Blick zu behalten, etwa in Bezug auf Risikomanagement, Krisenkommunikation oder rechtliche Aspekte.

Darin begründet sich u.a., warum ich als ‚Nachrichten-Junkie‘ gelte. Ich will – und muss teilweise –  schlichtweg ‚wissen‘, was los ist: um mich herum, in der Stadt, im Bundesland, sogar bundes- und europaweit.
Dies bringt den Vorteil, dass ich negativ besetzte Fakten meist zügig mitbekomme und angesichts der Informationsdichte den eigenen Innovationsglauben kritisch beäugen kann, um ggfs. meine Ansichten bedarfsgetreu neu auszurichten.
Wenn in unterschiedlichen Medienformaten beispielsweise das Leistungsvermögen oder die Datensicherheit technischer Geräte getestet wird und die Produkte marktführender Hersteller wider meiner Erwartungen abschneiden, überprüfe ich die bereits anvisierten Investitionsentscheidungen oder vertage sie, bis ich die Informationsgrundlage für ‚objektiv genug‘ halte.

Dass die sogenannten ‚bad news‘ – also: die ’schlechten Nachrichten’– hierzulande qualitativ hohe Prominenz haben wie auch quantitative Dominanz erlangen, liegt meiner Meinung nach u.a. an der Hauptfunktion öffentlicher Berichterstattung. Zugunsten der sogenannten  ‚Durchschnittsbürger_innen‘ (und nicht zuletzt zugunsten des politischen Systems der Demokratie per se) ist ihr Zweck schlussendlich, das Tagesgeschehen möglichst schnell, massentauglich, prägnant und klar-durchschaubar aufzubereiten.
In der Regel bleibt bereits an den Empfangsgeräten das Bewusstsein der Menschen
auf der Strecke, dass die abgebildeten Informationen vorab redaktionell selektiert, kategorisiert und inhaltlich ins Format gebracht wurden. In Form von Kürzungen, Gewichtungen, Bildausschnitten oder schlichtweg bei der Wortwahl bleiben die subjektiven Färbungen und Tonalitäten der Macher_innen allerdings keineswegs aus.

Innerhalb dieser ‚Press(e)‘-Prozesse entsteht aus wenigen Momentaufnahmen heraus eine mehr oder minder ‚wertvolle‘ Nachricht, die im Ergebnis den Anspruch auf annähernde ‚Objektivität‘ erhebt.
Und oft auch einen solchen Anschein führt – zumindest außerhalb von Glossen, Kommentaren, Rezensionen o.ä. Gattungen. Bei der Informationsaufnahme bzw. bei der Aufnahmeverweigerung passieren zweite und dritte Auswahlvorgänge, indem das Publikum als Gruppe wie auch jede_r Einzelne darin eine Reaktion zeigt oder eben Ignoranz walten lässt.
Frei nach dem Kommunikationspsychologen Paul Watzlawick (1921 – 2007) besteht eine Form von Kommunikation bekanntlich auch in der ‚Nicht-Kommunikation‘. Letztlich konstruiert also jede_r für sich das eigene Wirklichkeitsbild wie auch die persönliche Realitätsnähe mithilfe vorgeprägter ‚Bauteile‘ und der Dynamik von Fremdwahrnehmungen.

Die ‚Kittmasse‘ zwischen diesen Wechselwirkungen sind ur-menschliche Faktoren wie etwa die evolutionär-bedingte Tatsache, dass das Gehirn Alarmsignale priorisiert und folglich die Entwarnungszeichen nachrangig bearbeitet.

Oder dass die Gegenwartsfreude gegenüber der Verlustangst in der Regel ‚den kürzeren‘ zieht. Solche Phänomene generieren den Verkaufs- und Stellenwert von ’schlechten Nachrichten‘ und zeigen sich u.a. in den Bestseller-Listen, die Sachbücher wie „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahnemann führen.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

»

  1. ekoepping sagt:

    Meine These geht in eine ähnliche Richtung: Menschen sind sensationshungrig insbesondere in Bezug auf Unglücksfälle etc. Sie können sich dadurch selbst ein Stück weit erheben. Es hat eine Art kathartische Wirkung, über den Krieg im Irak zu lesen, wenn man sich selbst versichern kann, „Mir geht es ja gut, gottseidank, bei uns ist ja alles in Ordnung.“ Man kann das Problem von sich fernhalten. Man liest täglich über Flugzeugabstürze, aber denkt sich, wenn man in den Flieger steigt, „Ach, mir kann doch nix passieren, dafür ist die Wahrscheinlichkeit zu gering.“ Schwierig wird es dann, wenn die „Einschläge“ zu nah kommen.

    • Ahoi Elke,
      an deiner Annahme ist etwas dran, denke ich, zumal mitunter sogar von „Opfern“ des Medienzirkusses gesprochen wird – als würden ihnen im Rahmen eines Rituals eine funktionale Rolle zugeschrieben und quasi zur Ergötzung anderer auf den Leib geschneidert.
      Zudem gibt es in den Neurowissenschaften den Begriff der sogenannten ‚Instinkt-Falle‘, wonach Menschen sich grundsätzlich dagegen sträuben, ihre verinnerlichte Meinung zu ändern – u.a. weil sie dadurch ihre bisherigen Positiv-Erfahrungen insgesamt neu bewerten müssten und eventuell zur Einsicht gebracht würden, Analyse-Fehler o.ä. gemacht zu haben. Dies kann u.a. begünstigen, dass schlechte Nachrichten schlichtweg verdrängt oder schöngeredet werden.
      Herzliche Grüße aus dem Feierabend und auf bald – Jana

Kommentar zur Freigabe einsenden:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s