Was Friseur_innen, Kommunikationsexpert_innen und Diplom-Psycholog_innen miteinander zu verbinden scheint, ist u.a. berufsbedingt: nämlich die sozial-fachliche Kompetenz, dem Gegenüber aktiv zuhören zu können.

Zwar reicht dafür kaum aus, die Grundprinzipien von Kommunikation verinnerlicht zu haben. Aber sie erleichtern die wegbereitenden Schritte. Zusätzlich ist unabdingbar, grundsätzlich empathisches Interesse an anderen Menschen zu zeigen, ihre persönlichen Motivationen und Abgrenzungen halbwegs zu orten – und willens und imstande zu sein, das Gegenüber wertzuschätzen und aufrichtig zu respektieren. Kurzum: Neben Situationsgerechtigkeit, emotionaler Intelligenz, Sozial- und Kommunikationskompetenz bedarf es auch eines intuitiven Gespürs für Selbst- und Fremdwahrnehmungen.
Diese Verflechtungen schaffen die Basis dafür, quasi aus dem Stehgreif heraus in der Lage zu sein, durch aktives Zuhören dem/der Gesprächspartner_in kommunikativ wie kooperativ entgegenzukommen. Das ist – zugegebenermaßen – ‚eine Menge Holz‘. Deshalb mag kaum verwundern, dass man mitunter auf einen Schlingerkurs gerät. Quasi wie im Freiflug werden dann ad hoc Irritationen ‚heraufbeschworen‘, Fehlannahmen gezogen oder hausgemachter Zoff ‚vom Zaun gebrochen‘. Um solchen (zwischen-) menschlichen Verkrampfungen aktiv entgegenzuwirken, sind u.a. folgende Techniken aus den Bereichen Rhetorik und Interaktion von beruflichem und alltagspraktischem Nutzen:

  • Den Gedanken des Gegenübers mitdenken

    Das bedeutet zum Beispiel…
    …mental die eigenen Positionen oder Ideen vorzuzeichnen – und zwar, ohne sie unmittelbar zu äußern. Dabei kann man u.a. innerlich überprüfen, ob beispielsweise eine Verständnisfrage nötig ist – etwa, wenn das Gegenüber regional spezifische Ausdrücke anwendet wie beispielsweise ‚dreiviertel zehn‘ zur Zeitangabe, wenn die Logik des Gesprochenen mehrdeutig erscheint oder schwer einzuordnen ist.
  • Sprech- und Denkpausen zulassen
    Das bedeutet zum Beispiel…
    …Stille zu akzeptieren und ihr situativ-angemessenen Raum zu geben, ohne direkt das Wort oder die Initiative ergreifen zu wollen. Auf diese Weise entsteht mitunter das sprichwörtliche ‘vielsagende Schweigen‘ – oder schlichtweg: die konstruktive Atempause.
  • Eigene direkte (Be-, Ab- oder Aus-)Wertungen vorerst außen vor lassen
    Das bedeutet zum Beispiel…
    …das eigene Ego – zumindest vorübergehend  – in den Hintergrund zu stellen, um von A bis Z aufzunehmen, was das Gegenüber gerade vermitteln will – statt etwa auf eine sich andeutende offene Flanke mit vorschnellen Rückschlüssen zu reagieren. Dafür ist in der Regel erforderlich, Ruhe und Gelassenheit walten zu lassen, aufgeschlossen zu sein und – im Sinne von Empfangsoffenheit – neugierig zu bleiben.
  • Den Redebeitrag des Gegenübers in eigenen Worten zusammenfassen
    Das bedeutet zum Beispiel…
    …gelegentlich den Augenkontakt zu suchen, zu finden und zu halten, um mithilfe von Mimik, Gestik und/oder Körperhaltung bzw. -spannung das ‚gesprochene Wort‘ kontextual zu erfassen und aufzuschlüsseln.
    Hierbei kommt mir übrigens zugute, dass ich im Zuge meines Berufslebens u.a. mit Menschen zu tun hatte, die an Aphasie erkrankt waren und unter dem Eindruck dieser Sprachstörung jedes Wort vollumfänglich, buchstäblich und rundweg wörtlich nahmen. Dies brachte den Vorteil, dass sie weit entfernt davon waren, Begriffsbedeutungen zu verdrehen oder zu entfremden, etwa durch ihr eigenes abstrahierendes Denken oder durch Prozesse der Projektion.

Zwar ist bei gesunden Menschen von Bedeutung, das Gesagte möglichst inhaltsgetreu widerzugeben. Dabei besteht allerdings keine Notwendigkeit, die Aussagen gänzlich unkritisch zu übernehmen. Wer etwas sagt bzw. ‚in den Raum stellt‘, zielt in der Regel auf eine konstruktive Reaktion ab. Idealerweise fällt der Redebeitrag in der Zuhörerschaft auf ‚fruchtbaren Boden‘, etwa indem ergänzende Kommentare gemacht werden oder die Gegenansichten des Gegenübers als Resonanz anklingen, sobald die Kommunikationsrollen getauscht werden können und der Monolog in einen Dialog übergeht bzw. eine Diskussion daraus erwächst.
Nach meinem Dafürhalten entstehen überzeugende Arbeitsergebnisse u.a. durch den kritische Gedankenaustausch solcher Art wie auch mithilfe der sogenannten ‚kollektiven Intelligenz‘.
Getreu des Prinzips „Same – Same – But – Different“ liegt der Dreh- und Angelpunkt darin, dass man die Augenhöhe zueinander beibehält und sich wechselseitig respektiert und achtet – mit und/oder ohne inhaltlichen Differenzen.
Der U.S.-amerikanische Psychologe Carl Rogers (1902 – 1987) hat hierfür bis heute gültige Konzepte erarbeitet, die methodisch immer wieder ‚en vogue‘ sind – etwa in Form der sogenannten ’neurolinguistischer Programmierung‘ (NLP), insbesondere in Bezug auf das sogenannte ‚re-framing‘ – zu Deutsch: ‚das Umdeuten‘.
Auf der Ebene der Motivation setzt zum Beispiel der Fußball-Trainer Jürgen Klopp auf Kommunikationstechniken dieser Art, um beim Bundesligisten Borussia Dortmund den mannschaftlichen Kampfgeist intakt zu halten.

Wer das aktive ‚Zuhören‘ virtuell simulieren will, statt sich darin wirklichkeitsecht auszuprobieren, kann die ‚Computer-Therapeutin‘ ELIZA als ‚Sparringspartnerin‘ für satirisch-getönte Trainingsrunden nutzen – quasi direkt aus der Dose.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

Kommentar zur Freigabe einsenden:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s