In der Geschichte der UEFA Champions League hatte das diesjährige deutsch-deutsche Endspiel zwischen dem FC Bayern München und dem BVB Dortmund sporthistorische Dimensionen.

Nie zuvor war es zwei Vereinen der Bundesliga gelungen, sich im selben Jahr gegen die Top-Mannschaften anderer  europäischer Länder durchzusetzen. Nach der offensiv und kampfstark ausgetragenen Partie setzte sich der Spannungsbogen für mich kommunikationsspezifisch fort. Aufgrund meines beruflichen Hintergrunds kam ich nämlich kaum umhin, das non-verbale – also: nicht-sprachgebundene – Kommunikationsverhalten des siegreichen wie auch des sieglosen Teams zu bemerken. Dabei ist mir u.a. folgendes ins Auge gefallen…

  • …zum Beispiel bei der Übergabe der Silber-Medaillen
    an die Spieler des BVB
    und an Trainer Jürgen Klopp:

In punkto interner Teamführung war bemerkenswert, dass sich die mannschaftliche Hierarchie fast wie selbstverständlich formierte, als das Team die insgesamt 107 Treppenstufen hinaufstieg, um zum Rang zu gelangen, auf dem die Auszeichnungen übergeben wurde. Mannschaftskapitän Sebastian Kehl schritt zuvorderst voran – auch wenn er während des Spiels gar nicht auf dem Spielfeld stand.
Diese (selbst-)disziplinierte professionelle Ordnung setze sich fort, als Torhüter Roman Weidenfeller (mit der Trikot-Nummer 1) das zweite Kettenglied der Reihe bildete während Coach Klopp die Abschlussposition besetzte.
Die Enttäuschung über das Spielergebnis zeigte sich in den Mienen der Borussen u.a. darin, dass sie quasi kollektiv die Köpfe hängen ließen und wie betreten zu Boden blickten. Klopp stütze sich mit beiden Händen am Treppengeländer auf, als würde er für den emotionsschweren Gang ergonomische Unterstützung benötigen.
Zuvor hatte er sich aus dem eigenen Fanblock rückversichernden Support gezogen, als er der Anhängerschaft Applaus spendete und in die Stadion-Tribünen winkte. Spieler Nuri Şahin „wappnete“ sich für den Treppenaufstieg hingegen quasi auto-erotisch, indem er wie zur eigenen Beruhigung mit der vollen Fläche seines Handrückens die Leistengegend zu massieren schien.

  • …zum Beispiel bei der Übergabe der Gold-Medaillen und des Pokals
    an die Spieler des FC Bayern und an Trainer Jupp Heynckes:

In punkto interner Teamführung war bemerkenswert, dass sich die mannschaftliche Hierarchie fast wie selbstverständlich chaos-theoretisch auflöste – und Trainer Jupp Heynckes sich nicht nehmen liess, im möglicherweise vorletzten Spiel seiner Trainer-Laufbahn die Spieler-Schar anzuführen, statt dies dem Mannschaftskapitän Philipp Lahm zu überlassen. Allerdings nahm Lahm protokollgemäß den Pokal immerhin entgegen.
Als ‚der Pott‘ in die Hände von Anatolij Tymoschtschuk geriet, setzte sich Tymoschtschuk die Trophäe kurzerhand auf den Kopf – eine Geste, die prompt gespiegelt wurde vom Schützen des 1:0-Führungstors, Mario Mandzukic. Und anschließend auch von anderen Spielern der Mannschaft aus München.

  • Statt vom Trikot-Tausch wurde das Bild nachfolgend u.a. dadurch geprägt, dass einige Spieler des FC Bayern – etwa Xherdan Shaqiri – sich die Landesfahnen ihrer europäischen Herkunftsländer um die Hüften banden wie ‚ kleidsame‘ Röcke.

Folglich war die Internationalität des Wettbewerbs sowie die Tragweite der sportlichen und individuellen Bedeutung optisch schwer zu übersehen.
Die Flagge der Niederlande trug beim Siegtorschützen Arjen Robben sogar dessen Nachnamen, während er – wie zum Ausdruck persönlicher Befreiuung – vor den eigenen Fans die Mimik und Gestik wiederholte, die er unmittelbar nach dem Torabschluss gezeigt hatte, nämlich: weit aufgerissene Augen und ausladende Arme. Damit machte Robben quasi ‚vergessen‘, dass er im vorjährigen Champions League Finale nach einem verschossenen Elfmeter gegen den FC Chelsea noch tragischer statt glorreicher Held gewesen war.
Spieler Daniel Van Buyten visualisierte stattdessen Herzensgrüße an seinen Sohn Mahan mithilfe seines Unterhemd-Textils. Mannschaftskollege David Alaba wies auf die gleiche Weise darauf hin, dass seine Kraftquelle in Jesus zu finden sei.
Bei den ZDF-Interviews mit Jürgen Klopp sowie Jupp Heynckes fiel mir abschließend auf, dass Klopp eine quasi kindliche Schnute zog, während Heynckes sein Körpergewicht unruhig von einem Standbein zum anderen wechselte, als wollte er ein Ventil für den inneren – und äußeren – Tumult schaffen.
Währenddessen demontierten die Bayern-Spieler übrigens das Borussen-Tor aus der zweiten Halbzeit, um sich aus den Teile des Tornetzes persönliche Trophäen zu schneidern – oder gar match-spezifische Fetische heimzutragen. Kurzum: Die TV-Bilder von Sportübertragungen vermitteln aus meiner Sicht meist mehr als ’nur ein Spiel.‘

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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