Wer berufsbedingt in der Öffentlichkeit steht bzw. im ‚öffentlichen Raum‘ arbeitet, tut sich mitunter schwer damit, rundheraus zu meckern und zu fluchen.
Schließlich richten sich beispielsweise die Aufgaben von Coaches, PR- und Presse-Profis, Mandatsträger_innnen, Hotel- oder Gastronomie-Angestellten meist auf moderate, gleichsam verständige Dienstleistungsgedanken aus.
Sie legen Respekt und höfliche Umgangsformen nahe – und bedeuten mitunter, sich im Arbeitsalltag überdurchschnittlich zuverkommend zu verhalten. Solchen Hemmschwellen zum Trotz zeigt meine Erfahrung, dass manierliche Unmutsäußerungen die eigenen Denkblockaden eher konstruktiv druchbrechen, statt miesepetrige Stimmung zu verbreiten – im Sinne von: ‚Das muss einfach mal gesagt werden.‘ ‚Damit kann man nicht hinterm Berg halten.‘

Einen besonders selbstbefreienden Nutzen haben aus meiner Sicht frank und frei erfundene Schimpfwörter wie: ‚Verdammter Wellblechpappenhüttendreck!‘ oder ‚motherfucking Nazi fake top!‘
Durch die stimmsprachliche Formulierung bekommt die Quelle des Ärgernisses eine neue Form und wird deshalb ‚anders‘ greifbar – und begreifbar. Ergebnisoffene oder fruchtlose Lösungsversuche für einen Moment lang fallen zu lassen, fällt dadurch leichter als bloß gedanklich zu schimpfen.
Abgesehen davon werden die Menschen um einen herum selbstredend darüber informiert, dass man vorübergehend auf der Stelle tritt. In der Regel fassen sie die Situation folglich als Appell auf, an einer Problemlösung aktiv mitzuwirken, mitzudenken – oder zu bestätigen, dass es im Jetzt und Hier gar keine positiven Resultate geben wird, sondern externe Spezialist_innen hinzugezogen werden sollten.
Beim Schimpfen und Fluchen kommt es allerdings darauf an, niemanden persönlich zu beleidigen und keinen Ort per se abzuwerten. Diese Art der Selbstbeherrschung meistern zum Beispiel rhetorisch versierte Satiriker wie Stephen Fry oder Dieter Nuhr. Oder Kabarettistinnen wie Monika Gruber und Gerburg Jahnke.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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