„Live dabei. Erinnerungen eines Journalisten“ von Wolf von Lojewski
Bastei Lübbe Verlag, 6. Auflage, 2001
288 Seiten, z.Z. vergriffen

Im anekdotischen Erzählstil zeichnen die Memoiren des ehemaligen Moderators vom heute-journal nach, wie er wurde, was er gewesen ist – zum Beispiel: Volontär bei den Kieler Nachrichten oder White House Correspondent in Washington D.C.
Dadurch wird u.a. deutlich, warum journalistische Karriereschritte von Zufalls- und Reporterglück kaum zu trennen sind, wie von Lojewski sein Arbeits- und Privatleben übereinbringt, welche Begleiterscheinungen daraus entstehen – und von wem sie (mit-) getragen werden.
Mit diesem Erstlingswerk hat von Lojewski sein „Spätwerk“ im Buchformat begonnen. Im Vergleich zu seinen TV-Berichten fällt die Qualität der Berichterstattung zwar spürbar ab. Trotzdem erhält man einen soliden und veritablen Eindruck vom Mediengeschäft ‚hinter den Kulissen.‘

 

„Verwandlungen: Eine Autobiografie“ von Alphons Silbermann
Nicolai Berlin, 2013
584 Seiten, € 29,95

Kurz vor seinem Tod bin ich Prof. Dr. Alphons Silbermann (1909 – 2000) noch persönlich begegnet. Nein: Sympathisch war er mir nicht, als er an seinem Kölner Publikum herumkrittelte, auf sachlich gestellte Rückfragen mit wortkarger Schroffheit reagierte und ein ungewohnt hohes Maß an Selbstgerechtigkeit an den Tag legte.
Durch die Granteleien schimmerte allerdings klar hindurch, dass dieser Mensch zwangs- und selbstbewegt gelebt hatte und ihm ungewöhnlich viel zu sagen geblieben war.
Zum Glück hat Silbermann das meiste davon in seiner Autobiografie niedergeschrieben. Um sein Leben einigermaßen zu meistern, brauchte er mehr Improvisationsgeschick und interkulturelle Kompetenz als die meisten anderen Menschen.
Mit dem Beginn seiner Verfolgung durch die Nazis nahm Silbermanns Lebensweg bruchstückhafte Konturen an und führte ihn lebensabschnittsweise in diverse Kontinente wie auch in zahlreiche Berufe.
Zum Beispiel verdiente sich Silbermann als rechtswissenschaftlicher Mitarbeiter, Musik-Rezensent, Tellerwäscher, Lektor, Gründer bzw. Manager einer Fast-Food-Kette, Dandy, Kongress-Veranstalter und zuletzt als Soziologe und Musikwissenschaftler.
Wer wissen will, wie man zum Tausendsassa wird, ohne dass die eigene Identität daran zersplittert, findet in diesem seitenstarken Band wertvolle – oft humorig erläuterte – Kniffe und Tricks.

 



“Von der Hand in den Mund: Eine Chronik früher Fehlschläge“ 
von Paul Auster 

rororo Verlag, 1999
512 Seiten, € 9,90

Ähnlich wie Silbermann hat sich auch Paul Auster mit unterschiedlichen Berufen durchgeschlagen und über Wasser gehalten – allerdings aus freiwilligen Stücken heraus und vor allem, um seine eigene ‚Schreibe‘ zu entwickeln, zum Beispiel als Literatur- und Theaterkritiker.
In der Chronik ordnet er u.a. seine lebensbiografischen Hintergründe den Textabschnitten zu, die in Romanen wie Leviathan enthalten sind und erklärt mithilfe dieser Anschauungsbeispiele, wie man eigene Schreibblockaden überwinden kann und die persönliche Antriebskraft aufrechterhält, vom Schreiben leben zu wollen.
Ein echtes Highlight ist im Anhang zu finden: Ein vom Autor erfundenes Kartenspiel mit Spielanleitung und keineswegs aus der Kategorie ‚Fehlschlag‘ – zum Selbstbasteln.

 

„Pariser Gespräche“ von Georg Stefan Troller
Marion von Schröder Verlag, 1967
234 Seiten, z.Z. vergriffen

Georg Stefan Troller begründete sein professionelles Renommee als Paris-Korrespondent – u.a. dank seiner unorthodoxen Art, Interviews zu führen und schillernde Persönlichkeiten wie Françoise Gilot (Künstlerin und Muse von Pablo Picasso), Coco Chanel (Modeschöpferin und Unternehmensgründerin), Shirley MacLaine (Schauspielerin und Autorin) und Curd Jürgens (Schauspieler) davon zu überzeugen, das öffentliche Gespräch mit ihm einzugehen. Im tête-à-tête mit Troller formulieren sie mitunter überraschende Lebensphilosophien – von zeitlosem Wert, im sprachschönen Duktus, zur kurzweiligen Unterhaltung und mit Raum zur Reflektion.


Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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