Expert_innen für zwischenmenschliche Verständigung u.a. Kommunikationsprofis stützen sich relativ gern und oft auf die Leitmotive von Wissenschaftlern wie Carl-Gustav Jung (1875 – 1961, Paul Watzlawick (1921 – 2007) und Friedemann Schulz von Thun – etwa auf Sätze wie:

‚Das Ich entsteht im Du.‘
‚Man kann nicht nicht kommunizieren.‘
Oder: ‚Ich bin okay – du bist okay.‘

Diese Erkenntnisse spiegeln zwar einen grundsätzlichen Teil der sogenannten human condition wider. Allerdings gehört zu den übrigen Teilen auch das empirische Wissen darum, dass in konkreten Lebenslagen…

  • …das Gegenüber vorübergehend alles andere als ‚okay‘ erscheint
  • …dass einem ‚etwas‘ die Sprache verschlägt
  • …dass keiner in der Haut eines anderen steckt (außer – eventuell – Gott oder Der Heilige Geist)

Aus diesem Grund sind Wut und Ärger über andere weder aus dem beruflichen noch aus dem privaten Alltag wegzudenken, geschweige denn: weg zu reden. Manchmal kommen sie rasant und unversehens zustande – wie die Schokoladen-Monster während einer Küchenschlacht.
Man kann die Heftigkeit der eigenen emotionalen Verstimmung allerdings in den Griff bekommen und sie für sich selbst wie auch zum Wohl des Gegenübers abfedern.

Dabei nützen u.a. folgende Kniffe:

  • Einen Schluck stilles Wasser in den Mundraum nehmen, dort halten, bis 17, 29 oder 157 zählen, bevor man das Wasser schließlich herunterschluckt.

Dadurch bremst man zum Beispiel den Impuls, aus dem Stehgreif heraus in die Verbal-Attacke ‚hinüberzuspringen‘ oder ad hoc Kontra zu geben, ohne vorab wenigstens eine halbe Minute lang nachgedacht zu haben (im Sinne von: ‚danach gedacht‘ zu haben.)
Im Nachgang liegt ein weiterer Vorteil darin, dass wenig(er) Anlass zur Reue bzw. zur Entschuldigung besteht (zumal sich keiner selbst ‚entschuldigen‘ kann, sondern dafür des ‚betroffenen‘ Gegenübers und dessen Akzeptanz bedarf.)

  • Zudem gilt auch beim Umgang mit Ärger und Wut:
    Bewegung schafft Bewegung.

Den geistigen und/oder architektonisch-definierten Raum zu verlassen, ist überall und jederzeit legitim – vor allem, wenn die Situation aufgrund von Respekt und Achtsamkeit erfordert, den anderen vor dem eigenen Ausbruch negativer Gefühle zu schützen. Andernorts kann man in der Regel zumindest laut(er), frank und frei ins Leere sprechen, eine Wand anmeckern und/oder den ‚Mann im Mond‘ beschimpfen. Man fasst sich auch wieder, indem man das Negativ-Erlebnis, das Gegenüber und/oder sich selbst ‚in Worte fasst.‘
Der ‚innere Druck‘ reduziert sich zudem durch den realen Tapetenwechsel bzw. mit dem vorgestellten ‚Szenenwechsel‘ im Kopfkino: Mithilfe einer selbsterzeugten Wirkung bewegt man sich ‚in der Tat‘ vor- bzw. zurück, statt still zu stehen, sich gelähmt zu fühlen oder gar schockiert zu erstarren. Wie William Shakespeare im Stück The Tragedy of Coriolanus den Protagonisten Cominius berichten lässt: „He…rewards/ His deeds with doing them.“ (Zu Deutsch in etwa: ‚Er belohnt sich seiner Taten anhand der Taten selbst.‘)

  • Wer kann, tut in der Regel gut daran, eine wirklichkeitsnahe Prognose über den nächsten selbstgewählten Aufenthaltsort zu geben und/oder den Zeitpunkt der eigenen Rückkehr zu nennen.

Zugestandenermaßen kann man den tatsächlichen bzw. ortsgegeben Raum manchmal de facto gar nicht oder nur eingeschränkt verlassen – zum Beispiel im Flugzeug, im Auto oder in der Bahn. Um in einer solchen Situation aus dem negativ-gepolten Gedankenkaroussell ‚auszusteigen‘ bzw. affektiven ‚Poltereien‘ vorzubeugen, nützt beispielsweise…

  • …zu Stift und Papier zu greifen oder alternativ die Notiz-Funktion des Smartphones anzuwenden, um das, was einem mit der ‚inneren Stimme‘ durch den Schädel geistert oder hinterherjagt, aufzuschreiben, dadurch quasi ‚dingfest‘ zu machen und aus dem Kopf heraus zu bekommen.

Diese Methode bringt den Vorteil, in einem ruhigen Moment u.a. nachhalten zu können, woraus der Ärger überhaupt entstand, ob die Wut im Verhältnis gewesen ist zum Energieaufwand beim ‚Aufräumen‘ danach – und ob der Unmut berechtigt war oder eben nicht. Abschließend hat die digitale Löschfunktion in technischen Geräten bzw. das Zerreißen, Zerknüllen oder gar Verbrennen von Papier mitunter einen befreienden Nebeneffekt. Selbst wenn allein damit der ‚Stein des Anstoßes‘ naturgemäß nicht aus der Welt geschaffen ist, hat er sich zumindest ‚bewegt.‘
Falls aus der zeitweisen Funkstille eine dauerhafte Mauer aus Schweigen zu werden droht, kann man einen derartigen ‚Baubeginn‘ – zumindest auf der eigenen Seite – ’notfalls‘ sabotieren bzw. demontieren.

  • Zum Beispiel, indem man appellhafte Anglizismen wie Smile oder Relax auf einen Merkzettel schreibt und dem Gegenüber zeigt oder auf den Tisch legt. In der Regel ist noch effektiver, ein Kreppband zu beschriften und die eigene Stirn damit zu ‚bekleben‘.

Auf einfallsreiche Art und Weise mit dem Anstreichen des Zauns zu beginnen, genügt dem Protagonisten, um bei anderen Menschen den Wunsch zu wecken, daran mittun zu dürfen. Nachdem sie sich freundliche, aber bestimmte Absagen einhandeln, bieten sie letztlich sogar Bargeld an, um am ‚Projekt: Zaun‘ teilzuhaben. In der Übertragung – etwa auf eigene Konflikte – fängt man also eigeninitiativ damit an, den ‚Zaun bunt zu bemalen‘, indem man etwas Ernsthaft-Sinnvolles tut, das mit Routinen bricht und neugierig macht, frei nach dem Motto: ‚Alles im Lack – alles im Lot.“

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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