„Chroma: Ein Buch der Farben“
von Derek Jarman
Merve-Verlag Berlin, 1995
196 Seiten, € 14,00

Das Gesamtwerk von Derek Jarman (1942 – 1994) zeichnet sich gartenbaulich, malerisch, szenenbildnerisch und filmisch u.a. dadurch aus, dass sich die Elemente seiner Formgestaltung und Farbgebung quasi organisch vor- und zurückbewegen – wie in naturbedingten Zyklen. Die Arbeitsergebnisse aus Jarmans zweiter Lebenshälfte nehmen beispielsweise die Ideen der frühen Jahren auf und definieren sie neu, getreu des Prinzips ‚Same – Same – But Different‘ (zu Deutsch: ‚Gleich – gleich – aber anders.‘)
Parallel dazu zeigt sich bereits in den Anfangsversuchen die ‚Nuss-Schale‘ des künstlerischen Kerns, mitsamt der nützlichen Irrwege, die letztlich zur geglückten Form mit passendem Inhalt führen.
Chroma entstand im letzten Lebensjahr von Derek Jarman, zu einer Zeit, als dem Autor der Sehverlust infolge seiner AIDS-Erkrankung schwer zu schaffen machte. Seine philosophischen und kulturhistorischen Betrachtungen zur Signifikanz und Symbolik von Farben, Schattierungen und Formulierungen schürfen vor einem solchen Hintergrund besonders tiefgründig und trotzen dem persönlichen Erleben die grundsätzlich-gültige Gesetzmäßigkeit ab, bis hin zum Transzendental-Visionären.
Im Zuge dieses Prozesses kombiniert Jarman tagebuch-ähnliche Randnotizen mit Gedichten und Querverweisen auf pionierhafte Künstler wie Leonardo da Vinci (1452 – 1519) und Salvador Dalí (1904 – 1989). Dadurch entsteht ein gedankliches Raster über Lebendigkeit, Sterben, Tod, Komposition, Konstruktion, Formation und Deformierung, an das man die eigenen Eingebungen profund ausrichten kann.


„Das große Lexikon der Symbole“

von Christoph Wetzel
Primus-Verlag, 2. Auflage 2011
319 Seiten, € 19,90

Das kiloschwere Großformat eignet sich zum Querlesen wie auch als Nachschlagewerk, um kulturübergreifend zu verstehen, wie sich bis dato geläufige Abbildungsformen menschheitsgeschichtlich herauskristallisiert haben – etwa bei der Darstellung des menschlichen Arms oder beim Hinweis auf erfinderische Errungenschaften wie der Uhr oder der Axt.
Zudem setzt der gelernte Verlagslektor, Religionswissenschaftler und Kunsterzieher Christoph Wetzel thematische Schwerpunkte, indem er leicht erfassbare Essays zwischen die lexikalischen Einzeleinträge setzt, zum Beispiel zu Begriffen wie ‚Anatomie, Astrologie und Astronomie‘, ‚Farben, Formen‘ und ‚Flora und Früchte.‘ Aus meiner Sicht wird dadurch exemplarisch veranschaulicht, wie u.a. die symbolische und assoziative Macht von Farblichkeit instrumentalisiert werden kann (und wird). Vor diesem Hintergrund ist empfehlenswert, nach dem Lesen zum Beispiel das Lied der Grenztruppen der DDR anzuhören und in die eigene kritische Perspektive einzurücken.


„Absender unbekannt: Gefundene Zettel, Mitteilungen und Briefe“

herausgegeben von Davy Rothbart
Verlag Kein & Aber, 2007
160 Seiten, z.Z. vergriffen, in Antiquariaten sicherlich auffindbar

Wer das Großformat als Leichtgewicht bevorzugt, findet in dieser illustren Sammlung ausgewählter und logisch sortierter Merkzettel und Listen einen geeigneten Ausgangspunkt, um beispielsweise die eigenen Mitteilungsformen und -formate auf das Wesentliche zu reduzieren oder sie abstrahierend zu versinnbildlichen. Das Sammelsurium aus der ‚Zettelwirtschaft‘ veranschaulicht u.a., welche persönlichen Hintergründe zwischen den Zeilen mitklingen, weil zahlreiche Notizen grafisch und/oder typografisch von den anonymen Verfasser_innen untermalt worden sind.
Für sich genommen, spricht auch die inhaltliche Aussage einzelner Texte bereits Bände. Mein eigenes Fundstück verdeutlicht zum Beispiel das erhöhte Armutsrisiko infolge von akuter Suchterkrankung.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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