„Fotos, die lügen – Politik mit gefälschten Bildern“ von Alain Jaubert
Athenäum-Verlag, 1989
196 Seiten, z.Z. vergriffen

In diesem Band hat Alain Jaubert seine langjährige Arbeit mit Foto-Archiven dokumentiert und aus der zeithistorischen Perspektive heraus kommentiert. Als organisatorisches Prinzip liegt der Zusammenstellung zugrunde, wie ein und dasselbe Fotomaterial politisch opportun ‚gemacht‘ wird und mithilfe diverser Abbildungsarten eine jeweils andere Wirkung erzeugt – zum Beispiel durch den Einsatz von Retuschen, Montagen, Vergrößerungen, Bildzuschnitten und variablen Belichtungszeiten.
Bedauerlicherweise beschränkt sich Jaubert mit thematischer Ausschließlichkeit darauf, politische Systeme mit Totalitätsanspruch wortwörtlich ‚unter die Lupe‘ des Chronisten zu nehmen. Die Spanne seiner bildsprachlichen und foto-dokumentarischen Analysen wird folglich von faschistischen und sozialistischen Machtführern dominiert, nämlich von Wladimir Iljitsch Lenin, Josef Stalin, Benito Mussolini, Adolf Hitler, Mao Tse-tung, Che Guevara und Fidel Castro.

 

„Mein Blick“ von Herlinde Koelbl
Steidl-Verlag, 2009
287 Seiten, € 28,00

Der wuchtige Bildband erschien als Katalog zur Werkschau „Herlinde Koelbl – Fotografien 1976 – 2009“. Die Ausstellung sorgte vom 17. Juli bis 01. November 2009 für hohen Publikumsandrang im Berliner Martin-Gropius-Bau.
Die querschnittartig ausgewählten Arbeiten dokumentieren das fotojournalistische Themengespür der deutschen Fotografin – und vor allem ihre außergewöhnlich Gabe, den einzelnen Bildmotiven eine übergeordnete Aussage abzutrotzen, die menschliche Allgemeingültigkeit hat und non-verbal einen eigenständigen Kommentar formuliert. Im Subtext hinterfragen Koelbls Fotos in der Regel, was den Protagonist_innen ‚ins Gesicht geschrieben‘ zu sein scheint, wie Identitäten entstehen, was den Menschen ‚im Kern‘ ausmacht bzw. wer oder was sich hinter den medialen ‚Menschenbildern‘ verbirgt.
Die Fotos zum Thema „Behausungen“ veranschaulichen zum Beispiel, wie sich individuelle Lebensauffassungen an den selbstgewählten Wohnorten abzeichnen und dass sich persönliche Authentizität u.a. darin zeigt, wie sich wer einrichtet.
Neben den Portraits von Menschen setzt Koelbl auch Objekte wie Stöckelschuhe, Kakteen oder Spielfeldmarkierungen ins vermeintlich ‚dokumentarische‘ Bild – symbolkräftig, markant und manchmal sogar verstörend.

 

„Willy Brandt“ von Konrad R. Müller und Hermann Schreiber
Albrecht Knaus Verlag, 1978
94 Seiten,
z.Z. vergriffen

Der 65. Geburtstag von Willy Brandt veranlasste den Fotografen Konrad R. Müller zur Zusammenarbeit mit dem Journalisten Hermann Schreiber. Dabei entstand dieser biografische Bildband.
Im Rückblick erscheint das Ergebnis wie ein Vorgriff zu Herlinde Koelbls fotografischer Langzeitstudie Spuren der Macht, die im Jahr 1999 für bundesweite Beachtung sorgte.
Denn unmittelbar nach Brandts Rücktritt vom Kanzleramt bekam Müller die Möglichkeit, den damaligen SPD-Vorsitzenden fotojournalistisch zu begleiten und abzulichten – sowohl auf den Dienstreisen wie auch in Brandts Leben als Privatperson.
Auf diese Weise sind in den Jahren 1974 – 1978 einfühlsame Aufnahmen entstanden, die mit den konventionellen Sichtachsen und Sehgewohnheiten brechen. Durch die Bildführung erinnert die Gestik und Mimik des deutschen Politikers mitunter an den US-amerikanischen Schauspieler Clint Eastwood. Zudem hat Müller ein augenfälliges Interesse am persönlichen Habitus – wie auch an der der poetischen Ästhetik von Gesichtsfalten. Flankierend dazu überzeugen Schreibers Texte u.a. damit, dass sie kritische Fragen aufwerfen – etwa darüber, wie ein politischer und persönlicher Lebensweg ermöglicht bzw. durchkreuzt wird.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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