The Bling Ring ist der fünfte Kino-Film von Sofia Coppola – und der erste, den sie digital gefilmt hat. Als Drehbuch-Autorin, Regisseurin und Co-Produzentin folgt Coppola damit den Kommunikationskanälen ihrer Protagonist_innen. Denn im Zentrum der Handlung steht ein post-pubertäres Quintett, das die Suche nach Zugehörigkeit und Erfolg u.a. über Online-Medien wie Twitter und Facebook organisiert.

Die Schul-Clique macht sich dabei zunutze, dass sie in Los Angeles lebt und dass das Karriere-Bewusstsein ihrer Eltern ausgerechnet deren Fürsorgepflicht außer Kraft setzt. Auf diesem Nährboden entdecken die Teenager ihren gruppendynamischen Thrill. Sie brechen in die Villen der Stars und Starlets ein, um die ‚begehbaren‘ Kleiderschränke zu plündern, in der ‚zweiten Haut‘ der Begehrten sich selbst zu aktualisieren und die eigene Identität optisch zu optimieren.
Durch die Konformität mit dem Konsumverhalten der High Society kompensieren die Jugendlichen zwar ihr kollektiv erlebtes Schulversagen. Sie verkennen allerdings den Zwangscharakter ihres eigenen Verhaltensmusters wie auch die statussymbolische Uniformität ihrer ‚Leit’bilder.
Zunächst gelingen die Beute-Touren relativ glatt, weil Nicki (Emma Watson), die Anführerin der Drop-Outs, im Schulterschluss mit dem Neu-Ankömmling Mark (Israel Broussard) eine effiziente Methode dafür entwickelt: Nach dem Prinzip ‚Please Rob Me‘ machen sie in Online-Datenbanken ausfindig, wie wer wohnt. Und vor allem: wo. Und wann ein öffentlicher Termin die Ortsabwesenheit der ‚Person des öffentlichen Lebens‘ nahelegt.
Bei den anschließenden Coups trifft die Clique kaum auf Wachleute; dass sie außerplanmäßig von Sicherheitskameras ‚aufgenommen‘ werden, bringt sie trotzdem in Haft – und mitten hinein in den Medien-Hype. Die Berichterstattung macht die Jugendlichen schlagartig zu Erwachsenen – mit breiten Bekanntheitsgraden, zweifelhaften Profilierungen und öffentlich nachgefragten Selbst-Definitionen.
Dass diese Story auf realen Ereignissen basiert, mutet fast wie eine Ironie der Zeitgeschichte an. Tatsächlich kam Sofia Coppola die filmische Idee, als sie im Mode-Magazin Vanity Fair (zu Deutsch: ‚Jahrmarkt der Eitelkeiten‘) einen Artikel der Journalistin Nancy Jo Sales las, und zwar zur aussagekräftigen Schlagzeile: ‚The Suspects Wore Louboutins‘ (zu Deutsch: ‚Die Tatverdächtigen trugen Louboutins‘).
Im Film klingt diese Authentizität u.a. darin an, dass Coppola durchweg mit Schauspieler_innen gearbeitet hat, die mit den realen Personen annähernd altersgleich sind und ein persönliches Interesse an Lifestyle-Themen mitbringen. Die Hauptdarstellerin Emma Watson ist beispielsweise die aktuelle Werbeträgerin der Kosmetik-Marke Lancôme und hat sogar eine eigene Mode-Kollektion entworfen.
Watson bringt allerdings auch ihre hohe schauspielerische Professionalität ein, beispielsweise, indem sie mit dem L.A.-Slang Calabasas brilliert und sich gelassen ins Ensemble-Spiel integriert. Zudem ziehen sich illustre Gast-Auftritte von Paris Hilton, Lindsay Lohan u.a. realen ‚Diebstahl-Opfern‘ durch die leitmotivische Detailgenauigkeit. Hilton hat als Erbin einer edlen Hotel-Kette sogar die Türen zu ihrem Privathaus geöffnet und dort Dreharbeiten zugelassen. Ihr Zuhause beherbergt nämlich u.a. einen Original-Tatort – bzw. ‚Schau’platz – den zimmergroßen ‚Schuhschrank.‘
Mich hat an The Bling Ring u.a. beeindruckt, dass Sofia Coppola als Insiderin des ShowBizzGlizz den Mut aufbringt, auf ihre privat-persönliche Lebenserfahrung zurückzugreifen, ohne ihre Figuren der Persiflage preiszugeben, geschweige denn, sie US-Amerikanisch zu verdammen bzw. zu glorifizieren. Stattdessen arbeitet sie medienkritisch und visuell assoziativ, indem sie zum Beispiel hinterfragt…

‚The Bling Ring‘ (und ihre Darsteller_innen) sind Emily (Georgia Rock), Mark (Israel Broussard), Nicki (Emma Watson), Sam (Taissa Farmiga) und Chloe (Claire Julien).

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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