Ein Stichwort-Manuskript ist oft nützlicher als ein wortgenauer Rede-Text, um rhetorisch geschickt zu einer Gruppe von Menschen zu sprechen – etwa bei kurzen Ansprachen, Messen oder Feiern. In solchen Zusammenhängen hat Vorrang, klar ‚zur Sache‘ bzw. ‚zur Person‘ zu reden – und zwar in der Alltagssprache.

Zum Beispiel kann man die anlassgebenden Beweggründe verdeutlichen, indem man ‚typische‘ Situationen herausgreift und zutreffend beschreibt. Oder indem man die positiven Charakteristika einer Person mit passgenauen Adjektiven hervorhebt und respektiert. Um mich auf Reden dieser Art vorzubereiten, schreibe ich das, was ich zu sagen habe, nur in Stichworten auf.
Dafür nutze ich Karteikarten im DIN A 5-Format, damit den Zuhörer_innen die Sicht auf mich möglichst ‚unverstellt‘ bleibt. Während ich spreche, bringe ich jeweils zwei bis drei Stichworte aus dem Stegreif heraus in einen – scheinbar – ’spontan‘ formulierten Satz.

Durch die stichwortartigen Notizen ergibt sich die Gliederung
fast von selbst, denn damit…

  • …vergegenwärtige ich mir, was die Zuhörer_innen zum Thema bereits wissen – und was sie darüber noch erfahren wollen oder sollen
  • …halte ich mir bewusst, worauf ich rhetorisch ‚eigentlich‘ abziele – beispielsweise, ob ich die betriebsinterne Motivation ‚anschieben‘ möchte, indem ich besondere Leistungen wertschätze oder ob ich organisatorische Veränderungen erläutere, um die Hemmschwellen niedrig zu halten
  • …lege ich mir konkrete Beispiele aus dem Arbeitsalltag zurecht, um durch diese Praxisnähe die eigene Glaubwürdigkeit und Sympathie zu festigen.

Den Anfangssatz, die Kernaussage des Hauptteils und den Schlusssatz schreibe ich ausformuliert auf. Das rhetorische ‚Gerüst‘ wird dadurch stabilisiert. Falls der Anlass ‚gebietet‘, länger als 15 Minuten zu sprechen, integriere ich auch sogenannte ‚Fragesätze‘. Ein Fragesatz wie: „Sehen Sie das kommen?“ oder: „Kommt Ihnen das bekannt vor?“ bezieht die Zuhörer_innen indirekt mit ein, ohne dass eine Antwort unmittelbar notwendig ist. Auf diese Weise schlägt man konstruktive verbale ‚Brücken‘ und gibt den sachbezogenen Informationen einen gefühlsbasierten Rahmen.

Um ‚das gesprochene Wort‘ mit Nachdruck zu versehen und insgesamt
einen positiven Eindruck zu hinterlassen, gelten u.a. folgende Faust-Regeln:

  • Je kürzer der Sprechsatz ist, desto kurzweiliger
    und lebendiger ist die rhetorische Wirkung.
  • Wiederholungen erleichtern das aktive Zuhören,
    ähnlich wie der Refrain von einem Song.
  • Bei Handlungsaufforderungen hat sich bewährt, zu konkretisieren,
    womit sich wer einbringen kann – wie, wo und wann.

Das Stichwort-Manuskript finalisiere ich dadurch, dass ich vorab entscheide, ob ich zur Veranschaulichung auf Hilfsmittel setze und wie ich sie einbringe. Dafür taugen beispielsweise Flipcharts, Poster, Flyer, Modelle, Online-Präsentationen oder Trailer. Allerdings bringt ‚weniger‘ oft ‚mehr‘ – zumindest in punkto Publikumserfolg. Das Für und Wider gegeneinander abzuwägen und – bestenfalls – auszutarieren lohnt sich in der Regel.
Meine persönliche Vorbereitung schließe ich ab, indem ich meine Redeposition räumlich bestimme. In Relation zum Publikum hat sich zum Beispiel als ‚günstig‘ erwiesen, ‚über Eck‘ zueinander zu sitzen bzw. zu stehen oder einen ‚gleichberechtigen‘ Halbkreis zu bilden. Hiergegen wirken frontal gegenüberliegende Raumpositionen dominant und tendenziell ‚ungleich‘.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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