Wegen chronischer Mittelohrentzündungen war ich im Kindesalter häufig im Krankenhaus. An den Tagen meiner Entlassung zehrten die Behandlungserfolge an meinen Nerven, weil die Außenwelt ungewohnt lautstark auf mich einwirkte.

Ich hatte den Eindruck das Hören neu lernen zu müssen. Um mich akustisch einzufinden, entdeckte ich u.a. den Park – als Ruhepol in der Stadt. Innerhalb von Grünanlagen dämpfen die Pflanzen den Schall. Sie schützen vor Lärm und filtern die Umgebungsgeräusche – zum Beispiel das Vogelgezwitscher, das Windrauschen oder das Wasser-Geplätscher. Durch diese äußere Ruhe höre ich die akustischen Details, die woanders in der Klangkulisse versiegen würden. Auch Sinneseindrücke wie Sehen oder Riechen nehme ich im Park bewusster wahr als andernorts – vor allem während der Frühlings- und Sommermonate.
Denn die Grundfarbe Grün gehört zu den Naturtönen, die das menschliche Gehirn besonders facettenreich wahrnimmt. Sie ist im pflanzlichen Chlorophyll enthalten und wird durch den Lichteinfall fächerartig gebrochen. Zudem besteht der Untergrund in Parks häufig aus Kieselerde oder Gras, sodass man den Boden riecht, die Beschaffenheit spürt und gelenkschonend darauf läuft.
Wer sich nicht allein auf das Picknick im Freien beschränkt, bewegt sich – wie ich – physisch, geistig und psychisch – real wie abstrakt. Weil die körperliche Aktivität die Sauerstoff-Aufnahme fördert und der Sauerstoff im Gehirn zügig verarbeitet wird, steigt nicht nur die Tagesstimmung, sondern auch die Denk-, Merk- und Konzentrations-fähigkeit. Folglich begünstigt dieses ganzheitliche Wahrnehmungstraining die eigene Produktivität und Tatkraft.
Für den Arbeitsalltag ergeben sich mitunter neue Perspektiven wie von selbst, denn der Blick in den Horizont bleibt in der Regel unverstellt, die Gedanken haben buchstäblich freien Lauf, die hohe Luftqualität steuert zur körperlichen Erholung bei, macht munter, nährt das Selbstbewusstsein und die Lebensenergie.
An der Erholung mitten in der Natur gefällt mir auch, dass meistens andere Menschen in Sichtweite sind. Wer Offenheit ausstrahlt – oder ein Haustier ausführt – kommt relativ schnell mit anderen ins Gespräch. Zum Beispiel geriet ich neulich per Zufall in eine Diskussion über gerichtsmedizinische Forschungsarbeiten. Dadurch habe ich mein Wissen locker-leicht erweitert und fruchtbare neue Kontakte geknüpft.

Über die rund 2.500 Grünflächen in Berlin, die örtliche Nähe zum Spreewald und zu den Naturschutzgebieten in der Uckermark bin ich deshalb dankbar und froh.

Dass öffentliche Parks – und Wälder – zur psychischen Ausgeglichenheit beitragen, den negativen Stress reduzieren, das körperliche Wohlbefinden erhöhen und die allgemeine Lebenszufriedenheit stützen, hat ein wissenschaftliches Team an der britischen University of Exeter vor wenigen Wochen datenanalytisch belegen können. Der Studie liegt eine Zeitspanne von 18 Jahren zugrunde. Auf der englischsprachigen Website des European Centre for Environment and Human Health erläutert der Umwelt-Psychologe Dr. Matthew White das methodische Vorgehen. Im Video-Clip ordnet er die Ergebnisse auch in ihrer gesundheitspolitischen und stadtplanerischen Bedeutung ein.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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