„Il Principe – Der Fürst“ von Niccolò Machiavelli
Reclam-Verlag, 1986
255 Seiten, € 6,00

Der Begriff ‪‚Machiavellismus‘ geht u.a. auf diese Abhandlung des florentinischen Diplomaten Niccolò Machiavelli zurück. Sie wurde im Jahr 1532 von Papst Clemens VII. erstmals in den Druck gegeben und spaltet seither die interpretatorischen Auslegungen – vom Frühmittelalter bis heute. Aus meiner Sicht begründen sich die Kontroversen darin, dass Machiavelli die Psychologie des politischen Machterhalts in konkrete Handlungsempfehlungen fasst – und zwar erstmals in der Geschichte der Politikwissenschaft, zumindest meines Wissens nach.
Im Wesentlichen kontrastiert Machiavelli absolutistische Diktaturen mit republikanisch-demokratischen Regierungsformen und analysiert faktische Fall-Beispiele, um für diese Staatsformen die jeweiligen Zukunftsprognosen herzuleiten.
Zum Beispiel erörtert er, worauf der gesellschaftliche Zusammenhalt fußen kann; warum Korruption zwar unmoralisch, aber nützlich ist; wie das Militär dazu beiträgt, die politische Macht zu verankern und warum der Abschreckungseffekt vereinzelter Bestrafungsaktionen dazu taugt, den Frieden zu fördern, sofern man niedrig dosierte Gesten der Wohltätigkeit darauf folgen lässt. Die Themen scheinen zeitlos aktuell zu bleiben, sodass Machiavellis Traktat vermutlich auch in den kommenden Dekaden noch gelesen werden wird.

 

Die Politik der Macht“ von Arundhati Roy
btb Verlag; 3. Auflage, 2002
480 Seiten, € 12,90

Nachdem sie mit ihrem Debütroman Der Gott der kleinen Dinge prompt den renommierten Booker Prize gewann, nutzte Arundhati Roy die öffentliche Aufmerksamkeit dafür, sich politisch zu positionieren – zum Beispiel, indem sie die Globalisierungsfolgen kritisch diskutierte, für atomare Abrüstung plädierte, zu gewaltfreiem zivilem Ungehorsam aufrief und im zentral-indischen Narmada-Tal gegen den Bau von Staudämmen protestierte.
Auf einer übergeordneten Ebene entspringt Roys aktivistische Motivation dem Kampf gegen die Armut in der sogenannten ‚Dritten Welt.‘ Deshalb ist der Titel der englischsprachigen Ausgabe – The Cost of Living – aus meiner Sicht aussagekräftiger als das deutsche Pendant.
Der Band vereint die politischen Essays mit den projekt-basierten Reportagen der Autorin. Weil der Stil der Berichterstattung durch faktenfeste Rhetorik dazu auffordert, sich eine eigene Meinung zu bilden, schafft Roy eine Brücke dafür, tagespolitische Prozesse kritisch zu hinterfragen – und sich selbst darin einzubringen.

 

„Die Aktivistin: Das Leben der Petra Kelly“ von Sara Parkin
Deutsche Verlags-Anstalt, 2010
528 Seiten, ca. € 16,00

Von 1977 bis 1989 hat Sara Parkin der Green Party in Großbritannien angehört und
sich federführend darin eingebracht. Sie ist mit Petra Kelly befreundet gewesen, sodass die oben genannte Biografie spürbar subjektiv gefärbt ist. Kellys Privatsphäre ist zeitlebens mit ihrer beruflichen Existenz verzahnt geblieben – letztlich sogar über ihre Ermordung hinaus – sodass mir die persönlichen Einschätzungen genauso nützlich wie hinderlich erscheinen.
Die Stärken von Kellys Biografin liegen darin, dass sie die deutsche Politikerin der Partei Bündnis 90/ Die Grünen auf dem europäischen Parkett verortet und nachvollziehbar herleitet, wie Kelly die ‚grüne Bewegung‘ insgesamt beeinflussen konnte – und die Ostpolitik im Besonderen – direkt und dauerhaft. Parkin fügt u.a. ein chronologisches Verzeichnis bedeutender Reden bei, und ein Namensregister, das die jeweilige Funktion der Person aufweist.


„Willy Brandt: 1913-1992 – Visionär und Realist“ von Peter Merseburger
Deutsche Verlags-Anstalt, 2006
928 Seiten, € 29,99

Der Journalist Peter Merseburger hat die deutsche Zeitgeschichte in diversen Sachbüchern durchschaubar gemacht – u.a. in dieser Biografie. An Willy Brandts Lebenswegen sind einschneidende Entscheidungen und Ereignisse festzumachen, die das internationale Renommee der Bundesrepublik Deutschland (BRD) geprägt haben – zumindest seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, zumindest bis zum Fall der Berliner Mauer im November 1989.
Dazu gehören zum Beispiel die Aufnahme in den Kreis der Vereinten Nationen (VN bzw. UN), die Aussöhnung mit dem Nachbarland Polen im Rahmen der Ostpolitik und die deutsch-deutsche Entspannungspolitik.
Auf der persönlichen Ebene haben Brandts vermeintliche Schwächen seine Nähe zur Bevölkerung zwar begründet. Das fehlplatzierte Etikett des ‚Vaterlandsverräters‘ ist trotzdem an ihm haften geblieben; im sechsten von sechszehn Kapiteln schlüsselt Peter Merseburger die Frage auf: Warum?

 

Spuren der Macht: Die Verwandlung des Menschen durch das Amt.
Eine Langzeitstudie von Herlinde Koelbl
Sonderausgabe des Knesebeck Verlags, 2010
408 Seiten, € 39,95

In diesem Band kombiniert Herlinde Koelbl achtteilige Einzelgespräche mit jeweils acht Portrait-Fotos pro Person. Die Texte und Bilder sind über eine Spanne von acht Jahren im jährlichen Rhythmus entstanden – nämlich zwischen 1991 bis 1998. Dadurch entfaltet sich eine dokumentarische Chronik, die die Kulissen des ‚Polit-Theaters‘ durchdringt, um aufschlussreiche Einsichten in die Mechanismen von Entscheidungen, Verdrängungen, Veränderungen und Erwartungen zu gewähren. Zudem spürt Koelbl fotojournalistisch nach, warum sich wer umorientiert – wie und wie nicht.
Die Autorin zeichnet die Berufswege von insgesamt 15 Menschen nach: u.a. von Angela Merkel, Gerhard Schröder, Renate Schmidt, Joschka Fischer, Monika Hohlmeier, Frank Schirrmacher, Irmgard Schwaetzer, Heinrich von Pierer, Heide Simonis und Peter Gauweiler. Dabei treten körpersprachliche wie auch rhetorische Verhaltens-veränderungen zutage, zum Beispiel infolge von Niederlagen, Karrieresprüngen, persönlichen Enttäuschungen oder privaten Erfolgen.
Die Interview-Technik von Koelbl ist auf die Reflektion ausgerichtet. Sie fragt zum Beispiel nach der individuellen Selbst- und Fremdwahrnehmung und nach der Selbst- und Fremdeinschätzung, sowohl angesichts des öffentlichen Ansehen wie auch in Bezug auf das private und soziale Umfeld.
Auf diese Weise entstehen die Protokolle innerer Bestandsaufnahmen, die die menschlichen Grundbedürfnisse sichtbar machen. Sie zeigen auf, dass Vertrauensverluste nicht allein bei vermeintlichen Durchschnittsbürger_innen greifen, sondern auch die Reihen der politischen Prominenz durchaus erfassen.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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