Wie kein zweites Lebewesen auf der Erde ist die Spezies ‚Mensch‘ darauf spezialisiert, zu lernen und die Lern-Inhalte sozial-partnerschaftlich an andere weiterzugeben. Dabei gilt als Faust-Regel, dass unterschiedliche Wege – gleichermaßen berechtigt – zum selben Ziel führen können.

Wie zügig die jeweilige Lernstrecke zurückgelegt wird, hängt u.a. von der persönlichen Motivation ab: Wer beispielsweise Auswandern will, sieht in der Regel mehr alltagspraktische Anreize dafür, sich die jeweilige Nationalsprache anzueignen, als jemand, der sich auf eine Fernreise vorbereitet. Die Vorteile, sich außerhalb der Heimat sozial-kompetent zu integrieren, sind im ersten Beispiel schließlich nachhaltiger, dringlicher – und situativ auch notwendiger – als im letztgenannten Fall.
Ob jemand bevorzugt, den Lernstoff autodidaktisch oder unter Anleitung, im Einzelstudium oder mithilfe einer Lerngruppe zu erwerben, hängt u.a. davon ab…

Zudem ergibt sich das Lernverhalten eines Menschen aus der Kombination unterschiedlicher – wenngleich: lerntypisch geprägter – Methoden heraus. Im Wesentlichen differenziert die Lernpsychologie diese folgenden vier Lerntypen:

  • Den auditiven Lerntyp.
    Das heißt: Das Lernen erfolgt vor allem über das Hören bzw. Zuhören, zum Beispiel mithilfe von Vorträgen – online wie offline, etwa bei Fachkongressen vor Ort oder bei Online-Plattformen wie TED, auf denen die Mitschnitte von englischsprachigen Veranstaltungen u.a. untertitelt abrufbar sind.
    Wer über ausgeprägte Empathie- und Konzentrationsfähigkeit verfügt, ist für diese Lernmethode wie geschaffen. Wem dies wenig liegt, sollte dennoch hin und wieder versuchen, anderen Menschen bewusst und aktiv zuzuhören, um das eigene Lernen möglichst variabel gestalten zu können.
  • Den haptisch-motorischen Lerntyp.
    Das heißt: Beim Lernen sind die experimentellen Handlungen dominant, zumeist unter Zuhilfenahme von technischen Geräten wie bildgebenden Instrumenten oder Mess-Apparaten. Oder in Form von Exkursionen – zum Beispiel, um beobachtungs-zentriert ‚am Objekt‘ zu lernen oder um die logischen Gesetzmäßigkeiten durch eigene Versuche und nützliche Irrtümer auszutüfteln und buchstäblich zu ‚begreifen.‘
    Wer sich eher in praktisch-konkreten Denkmustern bewegt als in abstrakt-theoretischen, hat für Lösungswege solcher Art in der Regel ein Naturtalent. Bei wem es sich umgekehrt verhält, sollte sich ab und zu handwerklich bzw. feinmotorisch versuchen, um die persönliche Lernkompetenz auszubauen.

Um die Lerninhalte zuverlässig ins Langzeitgedächtnis zu überführen, empfiehlt sich nämlich, möglichst alle Sinne für die Wissensaufnahme zu aktivieren – also: das Hören, das Sehen, das Tasten bzw. Fühlen, das Schmecken und das Riechen.

Lernpsychologisch betrachtet ist zudem sinnvoll, sich sowohl gruppendynamisch
wie auch selbstgesteuert mit dem Lehrstoff auseinanderzusetzen. Denn aus hirnphysiologischer Sicht gilt für das Lernen das, was u.a. auch bei der  Bewusstseinsbildung gilt: Beides ist mit der ‚Speicherkapazität‘ unterschiedlicher Hirnareale untrennbar verbunden. Und beides ist vor allem in der Großhirnrinde verankert. Die Großhirnrinde liegt der Oberfläche des Großhirns außen auf und befähigt gesunde Menschen beispielsweise dazu, sich zu erinnern: u.a. an Wahrnehmungen, Erfahrungen, Bewegungsabläufe, Handlungsschemata und Fakten.
Je besser die Hirnregionen synaptisch miteinander vernetzt sind, desto effizienter ist man dazu imstande, neue Informationen aufzunehmen, sie zu analysieren und ins bereits vorhandene Wissen einzubetten – zum Beispiel mithilfe des sogenannten Primings, das gesunde Menschen dazu befähigt, fragmentarische Informationen kompetent zu ergänzen, etwa bei fehlenden Buchstaben. Ncht whr?
Dieses neuronale Zusammenwirken lässt sich ganzheitlich trainieren, und zwar vor allem dadurch, dass man in punkto Lernen lebenslang dabei bleibt – auf möglichst unterschiedlichen Ebenen, unter Zuhilfenahme unterschiedlicher Lerntechniken.

Denn um die Arbeitseffizienz des Gehirns zu optimieren, strukturieren sich oft genutzte synaptische Verbindungsstellen funktional um – im Zuge der sogenannten Langzeit-Potenzierung (LTP).

Damit wird beschrieben, dass häufig aktivierte Synapsen mehr Botenstoffe freisetzen als andere. Sie bleiben auch länger und – im Wortsinn – impulsiver aktiv. Aufgrund dieser synaptischen Re-Strukturierung verkürzt sich der Abstand zur Nachbarzelle, die Übermittlung informativer Reize wird beschleunigt, kurzum: Man ’schaltet schneller‘.
Aufgrund der sogenannten neuronalen Plastizität – also: der Eigenschaft des Gehirns, wenig genutzte synaptische Verbindungen zurückzubilden – kann sich das aktuelle bzw. vormals vorhandene Wissen auch verlieren, etwa bei Fremdsprachen, die in der Schule zwar erlernt wurden, danach aber nicht mehr aktiv zur Anwendung kamen.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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