Zwischen mir und der Friseur-Meisterin Edda Waidmann gibt es keine Sprachbarrieren mehr, denn Edda hat meiner Begriffsstutzigkeit bei folgenden Redensarten auf die Sprünge geholfen:

  • „Gullirutscher“ ist die Bezeichnung für Kanalarbeiter. Sie gilt allerdings nicht im abstrakt-politischen Sinn, sondern strikt berufsbezogen, als Synonym für die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. „Deine geschlechtsneutrale Schreibe kannste getrost vergessen; ein ‚feminines‘ Wort dafür kenne ich nicht,“ merkte Edda an. Dasselbe gilt für diese Ausdrücke: Ein „Schaber ist: ein Friseur. Ein „Kalle“ ist: ein Freund. Ein „Hamburger“ ist: ein Kerl, der seine Hand wie ein Taschentuch benutzt. Und ein „Schielewipp, der Käse dippt“ ist: ein Brillenträger.
  • Die ausschließlich männliche Form greift auch beim „Helmut“ bzw. „Blauen.“ Alternative Bezeichnungen sind: „Tschakko“ bzw. „Polyp.“ Edda verwendet dieses begriffliche Sammelsurium, wenn sie einen Polizisten oder einen Kriminalbeamten meint. Eine Sonderform, die sich sowohl auf Männer wie auch auf Frauen beziehen kann, ist: die „weiße Maus“. Damit wird alltagssprachlich beschrieben, dass ein_e Polizist_in den Straßenverkehr händisch regelt, zum Beispiel, wenn die Verkehrsampel defekt ist oder der Verkehrsfluss durch einen Unfall blockiert wird.
  • Gleichermaßen gender-neutral ist auch der Ausdruck: die „Wächter-Pupe.“ Hierbei handelt es sich um eine Person, die ehrenamtlich und/oder im öffentlichen Auftrag „auf einen Kinderspielplatz aufpasst“, wie Edda sagt, zum Beispiel, um mithilfe der eigenen Präsenz Drogenabhängige fernzuhalten, kriminelle Menschen abzuschrecken oder um zu überprüfen, ob die Spielgeräte ohne Gefahr für Leib und Leben noch nutzbar geblieben sind.
  • Der Begriff „Kloppskopp“ kann sich auf Menschen jeden Alters beziehen. Damit wird umschrieben, dass jemand markante geistige Defizite aufweist. Wer lediglich „nicht ganz knusper“ ist, fällt durch suspekt erscheinende Verhaltensweisen auf, die physische, psychische, psychosomatische oder gar charakterliche Ursprünge haben können.
  • Wer das „Zimmer vermisst“ wird körperlich misshandelt.
  • Wer ein „Fressbrett“ hat, trägt ein Gebiss.
  • Und hinter dem Ausruf: „Donnerkehrnichteins!“ verbirgt sich die Frage:
    „Kannst du das immer noch nicht?“

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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  1. ekoepping sagt:

    P. S.: hab hier einen Link aus den 50er Jahren gefunden. Das Rotwelsche hat eigentlich nicht wirklich was mit Berlin zu tun, aber hier hat es sich offenkundig gehalten. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41120614.html

  2. ekoepping sagt:

    Was bei der Gullirutscherin noch einigermaßen leicht fällt, gibt beim Tschacko doch einiges Kopfzerbrechen auf. Was u. U. darin begründet liegt, dass die vermeintlichen Berlinismen eigentlich dem Gauner- und Gossenjargon vor dem Krieg entstammen – die zahlreiche Bezeichnungen für Diebesgut, Kriminelle, Polizisten kannte, die heute längst vergessen sind. Einige haben die Zeiten überdauert und sind in die Umgangssprache eingegangen. Damals gabe es einfach keine Frauen in den entsprechenden Berufen, so dass es schwerfällt, die Bezeichnungen zu übertragen. Zeit für einen neuen Sprachgebrach, würde ich sagen…

    • Liebe Elke,
      vielen Dank für deine weiterführenden Gedanken! Oh ja: Im Idealfall entwickelt jede Generation einen eigenen Sprachgebrauch – und sorgt für immer neue Einträge im Duden – um die deutsche Sprache lebendig zu halten.
      Herzliche Grüße,
      Jana

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