Ein notorischer Störenfried stellt sich dem Gegenüber situationsunabhängig in die Quere, blockiert das Zutun anderer, reduziert die Energie des unmittelbaren Umfelds und ist bestrebt, sich ins Zentrum kollektiver Aufmerksamkeit zu rücken – allerdings ohne eigene Beiträge zum Vorwärtskommen beizusteuern.

Ein Störenfried versteift sich vielmehr darauf, Vorhaltungen zu machen, Vorbehalte zu äußern, die Kontrolle an sich zu reißen und emotionale Dominanz zu demonstrieren.
In der Regel folgt daraus, dass bei anderen Menschen sprichwörtlich ‚die Lichter ausgehen‘, also: die zwischenmenschlichen Kommunikationsprozesse ins Stocken geraten, der Arbeitsfluss auf der mentalen Ebene einbricht und gruppendynamische Fehlleistungen zutage treten, die in anderweitigen personellen Konstellationen eher ausbleiben.
Aus diesen Gründen ist von alltagspraktischem Nutzen, den Wirkungsraum von offenkundigen Querulant _innen einzuschränken, zum Beispiel, indem man ihr negativ geladenes Denk- und Verhaltensmuster sozialkompetent durchschaut und dann dazu übergeht, rhetorisch und sozial kompetent zu intervenieren.

Der Gefühls- und Geisteswelt von Störenfrieden ist zu eigen,
dass sie in der Regel…

  • …von einem schwankenden Selbstbild geprägt ist. Um die Zweifel an der eigenen Identität zu sublimieren, neigt ein Störenfried zum Beispiel dazu, den Selbstwert anhand von Statussymbolen zu reklamieren. Allerdings werden die Statussymbole zuvorderst durch die Reklame marktführender Unternehmen definiert, statt dem persönlichen Selbstverständnis zu entspringen und einen eigenen Stil nach außen zu tragen. Ein Störenfried nutzt diese Markenprodukte auch nicht unbedingt zweckorientiert – quasi im Sinne der Erfindung – sondern um sich selbst – vermeintlich – zu erhöhen, etwa, um die eigene Unsicherheit teuer zu kaschieren.
  • …von der Angst getrieben ist, selbst anzuecken und/oder zu versagen, ‚Farbe zu bekennen‘ bzw. sich auf eine inhaltliche Position festzulegen und damit die ‚klare Kante‘ zu zeigen. Denn dadurch entstehen naturgemäße Angriffsflächen, die das schwankende Selbstbild des Störenfrieds potentiell gefährden würden.
    Deshalb fällt den notorischen Störenfrieden zumeist schwer, konkret zu werden, eine eigenständige Meinung zu formulieren, verlässliche Loyalität zu zeigen und/oder Vertraulichkeit zu wahren. Als Vermeidungsstrategie streuen sie zum Beispiel Gerüchte oder Indiskretionen, verschleppen die tagesaktuelle Diskussion oder überführen sie in eine vergleichsweise vage Grundsatz-Debatte
  • …in einem fragilen Selbstvertrauen und Selbstwert verankert ist. Um diese unterschwellige Tendenz zur Selbstverzwergung zu verbergen, neigt ein Störenfried dazu, das Gegenüber kleinhalten zu wollen, zum Beispiel durch Projektionen, chronisches Misstrauen, üble Nachrede, Schadenfreude und/oder indem der Störenfried zum Beispiel versucht, andere Menschen zu verulken bzw. ins Lächerliche zu ziehen
  • …von einem übersteigerten Bedürfnis gekennzeichnet ist, das Gegenüber kontrollieren zu wollen, zum Beispiel aus Angst davor, selbst zurück- oder zurechtgewiesen bzw. zur Verantwortung gerufen zu werden, getreu des – veralteten – Mottos: „Angriff ist die beste Verteidigung.“

Um den Störenfrieden den Boden zu entziehen,
kann man u.a. folgendes tun:

  • Bei personenbezogenen wie auch bei sach- und zielorientierten Anzweiflungen ist legitim, dem Störenfried moderate Rückfragen zu stellen:
    „Was meinst du damit konkret?“ „Wie kommst du darauf?“ „Warum hältst du den Punkt für relevant?“ „Auf welche Erfahrungen greifst du in diesem Zusammenhang zurück?“ „Was würdest du anders machen?“
    Dadurch tritt u.a. zutage, inwieweit der Störenfried imstande ist, konstruktive Ansätze zu zeigen und sich eigenständig festzulegen. Zudem wird deutlich(er), ob die Bedenken des Störenfrieds durch unreflektierte klischeehafte Annahmen getragen werden bzw. ob sie mit vermuteten oder tatsächlichen normative Standards konform gehen.
    Alternativ dazu ist gleichermaßen legitim, souverän und selbstbewusst zu den eigenen ‚Ecken und Kanten‘ zu stehen und dadurch vorbildlich voranzugehen. Um nicht in die Defensive zu geraten, empfiehlt sich, flankierend dazu die persönlichen Stärken zu benennen und durchweg die innere Distanz zum Störenfried zu wahren.
  • Um sich dem Versuch der Stimmungsmache zu entziehen, kann man die Äußerungen des Störenfried auch einfach ignorieren, zum Beispiel, indem man dazu schweigt bzw. indem man sie buchstäblich keines Wortes würdigt, weil sie ‚keiner Rede wert‘ sind.

Alternativ dazu nützt der rhetorische Konter: „Ich rede über niemanden, der nicht im Raum ist;“ „an Lästereien beteilige ich mich nicht;“ „ich finde das nicht witzig;“ „diesen Ton verbitte ich mir;“ „ich halte das für ein Vorurteil;“ „ich habe von dir bislang keinen Gegenvorschlag gehört.“ Als Ultima Ratio steht jederzeit offen, sich auf sämtlichen Ebenen vom Störenfried zu trennen – und zwar ein für allemal.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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