Obwohl kaum jemand auf Fehler abzielt, können Fehlschritte zum Fortschritt beisteuern. Die Voraussetzung dafür ist, kritisch und souverän mit der eigenen Fehleranfälligkeit umzugehen, selbstwirksame Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und die Einsichten in konkrete, konstruktive Handlungen zu überführen. Ich halte mich dabei u.a. an folgende Do’s und Don’ts:

Do’s –

  • Vergegenwärtigen, dass Fehler schlichtweg be- und entfremden – und zwar einen selbst wie auch andere. Fehler „fühlen sich falsch an“ – u.a., weil sie momentane Schwachpunkte aufzeigen und außerplanmäßige Arbeit machen, zum Beispiel, um (Selbst-) Korrekturen zu initiieren oder um kompensatorischen Ausgleich zu schaffen, sofern Projekte – oder gar: Personen – bereits Schaden genommen haben.
  • Wirklichkeitssinn beweisen, indem man die aktuellen Handlungsoptionen situationsgerecht erfasst – etwa, indem man sich selbstkritisch und konfrontativ hinterfragt und/oder andere um ihre konstruktive Meinung bittet. Mithilfe der Außenperspektive wird die Fehlerursache in der Regel schneller und zutreffender ersichtlich, als wenn man allein in der Selbstwahrnehmung verharrt bzw. eine Schockstarre riskiert und dadurch wertvolle Zeit verliert. Das persönliche Umfeld bemerkt den Fehler oft auch eher als man selbst – gerade weil diese ‚anderen‘ ihre eigenen Blickwinkel einbringen können.

Don’ts –

  • Ausreden erfinden, um den Fehler zu bagatellisieren bzw. um vor der Wirklichkeit zu fliehen, statt sich ihr selbstbewusst zu stellen und geradlinig in den eigenen Spiegel zu gucken. Die Menschenkenntnis anderer ist in der Regel ausgeprägt genug, um zu erfassen, wann sich wer wegduckt bzw. ob das Gegenüber gerade den Versuch unternimmt, unbequeme Fakten umzudeuten, wer die eigenen Fehler ‚den Umständen‘ zuschieben will und/oder Dritte dafür verantwortlich halten möchte, statt ‚vor der Haustür‘ zu kehren und die Folgen souverän und selbstverantwortlich zu schultern.
  • Ablenkungsmanöver anzetteln, lügen und/oder systematisch leugnen, damit der Fehler möglichst lange unentdeckt bleibt. Oder um zu tabuisieren, dass man selbst Fehler macht, wie fast jede_r andere auch – abgesehen von Gott vielleicht. Dadurch manövriert man sich letztlich bloß in die Selbst-Sabotage, weil das Vertrauen anderer mehr und mehr in der Versenkung verschwindet und folglich auch die Hilfsbereitschaft zersetzt wird.
  • Aus Selbstgerechtigkeit heraus verdrängen, dass streng genommen nur diejenigen den eigenen Fehler ‚entschuldigen‘ können, die ohne eigenes Zutun damit ‚zutun‘ bekommen. Wer den Fehler verursacht hat, kann bestenfalls aufrichtiges Bedauern zum Ausdruck bringen und auf das Verständnis des Gegenübers setzen. Wie die Friseur-Meisterin Edda Waidmann zu sagen pflegt: “Eine Chance muss man ihnen ja lassen” – und wer ehrliche Einsicht zeigt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, sogar zwei oder drei Chancen zu bekommen, den Schaden zu begrenzen bzw. wettzumachen.
    Dafür bedarf es zumeist keines katholischen Beichtstuhls – in der Regel reicht das Bewusstsein für die eigenen Schwächen vollkommen aus.

Darüber hinaus ist unnütz, in Selbstmitleid zu ertrinken bzw. sich darnieder zu richten und zu verzwergen – nur, weil man ab und zu einen Fehler macht. Wie ein Samurai Seppuku zu erwägen, tut nichts dazu, den Fehler selbst auszumerzen bzw. zukunftszugewandt daraus zu lernen. Denn: 

„Irrtümer haben ihren Wert. Jedoch nur hier und da.
Nicht jeder, der nach Indien fährt, entdeckt Amerika.“
Erich Kästner (1899 – 1974) –

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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