„Schneewittchen rechnet ab: Feministische Ökonomie für anderes Leben, Arbeiten und Produzieren – Ein Werkstattbuch aus der Attac-Gender AG“
von Christine Rudolf, Doreen Heide, Julia Lemmle, Julia Roßhart und Andrea Vetter herausgegeben
VSA-Verlag, 2013
204 Seiten, € 16,80

Um den Wechselwirkungen zwischen der Wirtschaftswelt und dem selbstbewegten Hier-und-Da-Sein nachzuspüren, stellen die Herausgeberinnen ein vielfarbiges Potpourri zusammen, das um offene Fragen kreist – statt mehr oder minder geschlossene Antworten zu geben: Was ist heute (schon, noch, wieder oder gar keine) Arbeit? Welche Ergebnisse erarbeitet wer? Warum? Für wen? Gibt es eine Grundlage dafür? Falls ja: Welche? Und: Wie weiß ich überhaupt, was ich hier gerade tue?
Um zur eigenständigen Erwiderung zu befähigen, werden in dem Sammelband diverse Genres mit unterschiedlichen Denkhaltungen untereinander verknüpft. Zum Beispiel stehen politisch gefärbte Blog-Beiträge buchstäblich ‚Seite an Seite‘ mit agitatorischen Schlaglichtern aus der Performance-Kunst. Diese Stränge werden wiederum in wissenschaftlichen Texten und in Essays zur multi-ethnischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland wiederaufgenommen, zurückgenommen bzw. weitergeführt.
Wer willens und imstande bleibt, beim Lesen aktiv mitzuarbeiten, findet dabei kreative Gedankenanstösse für das eigene Handlungsbewusstsein – denn den Anspruch eines ‚Werkstattbuchs‘ erfüllt der Titel allemal. Ich persönlich halte meine Lebenswirklichkeit allerdings für anstrengend genug (schließlich bin ich nicht mehr und nicht weniger als eine Frau, die ausgerechnet in Berlin ausgerechnet eine Medienagentur gegründet hat.)
Der Band resultiert aus einer Tagung zur ‚(queer)feministischer Ökonomie‘ vom Herbst 2012 und wurde durch die Nichtregierungsorganisation attac, die Vereinte Dienstleistungwerkschaft ver.di und der Hans-Böckler-Stiftung finanziell gefördert.

 

„Soloing. Die Macht des Glaubens an sich selbst“
von Harriet Rubin
Fischer Taschenbuch-Verlag, 2003
350 Seiten, € 9,90

Der Ratgeber spiegelt wider, was die US-Amerikanerin Harriet Rubin – für sich – gelernt und erkannt hat, nachdem sie ihre Festanstellung an den Nagel gehängt hatte, um schaffensfroh in die Freiberuflichkeit hinüberzusetzen – zugunsten von Freiheit, Unabhängigkeit und Glück, im Geist der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika.
Trotz der sozio-kulturellen Unterschiede zwischen Europa und den USA kommt ihr Erfahrungsbericht meinem persönlichen Gründungsabenteuer erstaunlich nah, sodass ich dieses Buch gelegentlich wie einen Leitfaden nutze – zum Beispiel, wenn ich turnusmäßig das Corporate Design (CD) von SATZBAUWERK voranführe oder den Business-Plan aktualisiere(n muss.)
Dass der Inhalt einen zeitunabhängigen Nutzwert für mich hat, obwohl ich ein ausgewiesener Teamplayer bin – also: nur selten als Solo-Akteurin handele – zeugt von der Überzeugungskraft der Autorin – wie auch von ihrer sprachlichen Klarheit. Wer sich momentan mit dem Gedanken trägt, ein eigenes Unternehmen zu gründen, findet u.a. auch bei Rubin einen praxistauglichen Kompass für die Umsetzung eines solchen Vorhabens.

 

„A Place of My Own: The Architecture of Daydreams“
von Michael Pollan
Penguin Books, Reprint 2008
310 Seiten, € 22,00

Kurz vor seinem 40. Geburtstag ist der US-amerikanische Print-Journalist Michael Pollan dem Drang seines wiederkehrenden Tagtraums gefolgt: Er hat sich eigenhändig ein Passiv-Haus auf- und ausgebaut.
Der daraus resultierende Spitzdachbau besteht aus einem Einzelzimmer und erfüllt den alleinigen Zweck, wetter- und lärmgeschützt darin schreiben zu können. Zudem passt bloß ein Mensch hinein, denn der übrige Raum wird – frei nach Plan – von den Arbeitsmitteln eingenommen, die zur druckfähigen Wort- und Satzfindung unabdingbar dazugehören.
Pollan hat sich im Zuge der mehrjährigen Konzeptions- und Bauphasen von Virgina Woolfs (1882 – 1941) Essay „A Room of one’s own“ inspirieren lassen und auch die philosophisch-literarischen Arbeiten von Philippe Ariès (1914 – 1984) und Gaston Bachelard (1884 – 1962) zurate gezogen. Dadurch ist es dem Autor tatsächlich gelungen, die Komplexität des Alltags selbstwirksam zu reduzieren, den Grundstein für einen räumlichen Fluchtpunkt zu legen und zu guter Letzt nach eigenem Zuschnitt arbeiten zu können – ohne ausgerechnet denjenigen vor den Kopf zu stoßen, die ihm von Mensch zu Mensch besonders nahestehen.

 

„Deutschland umsonst – Zu Fuss und ohne Geld durch ein Wohlstandsland“
von Michael Holzach
Hoffmann und Campe Verlag, 1993
248 Seiten, € 9,95

Der Sozialwissenschaftler, Reporter und ZEIT-Redakteur Michael Holzach (1947 – 1983) schildert in diesem Selbsterfahrungsbericht, wie er sich innerhalb von sechs Monaten zum professionellen Bettler ausgebildet hat: Mit seinem Hund Feldmann ist er kreuz und quer durch die Bundesrepublik Deutschland gereist, um frei von materiellen Mitteln ‚einfach so‘ durchzukommen, ‚trotzdem‘ halbwegs satt und gesichert zu bleiben – und auf einer Strecke von 2.500 Kilometern von Zufallsbegegnungen zu profitieren. Holzach spricht beispielsweise mit Kirchenvertreter_innen, Landvolk, Zirkusleuten und Kleinkriminellen, um für sich und den Vierbeiner den Selbsterhalt aus eigener Kraft heraus zu organisieren. Nach der Buchveröffentlichung ist Holzach ertrunken – ausgerechnet, als er Feldmann vor dem Ertrinken retten wollte. Der Hund wurde von der Feuerwehr lebendig geborgen.

Jana Chantelau bleibt die demutsvolle Erinnerung
an Michael Holzach (1947 – 1983)

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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    • Ahoi liebe Blogger_innen von feministischeoekonomie,

      vielen Dank für den ergänzenden Link!

      Den obigen Blog-Beitrag habe ich übrigens am 06. Januar 2014 veröffentlicht, wie z.B. der URL des Blog-Beitrags zu entnehmen ist – und auch im Hinweis steht, der der Verschlagwortung automatisiert vorangestellt wird: „Veröffentlicht von SATZBAUWERK – Jana V. Chantelau am Januar 6, 2014“

      Frohes Schaffen und herzliche Grüße aus Berlin-Moabit,
      Jana Chantelau

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