Der Gefühlszustand eines Menschen zeigt sich u.a. ‚ohne Worte‘, nämlich: in der non-verbalen Kommunikationsform der Körpersprache. Sie wird größtenteils spontan ‚formuliert‘ und entzieht sich weitgehend der Willkür.

Wer – wie ich – emotionsregulierende Meditationstechniken in den persönlichen Alltag integriert hat oder wer – wie ich – berufsbedingt gewohnt ist, mit heterogenen Gruppen zusammenzuarbeiten, trainiert damit zugleich die eigene Kompetenz, die Körpersprache des Gegenübers akkurat zu erfassen und sie in ihrer Bedeutung begreifen zu können.
Die soziale Intelligenz steigt mit zunehmender Erfahrung – und parallel dazu auch das kommunikative Repertoire, das nötig ist, um etwa ein Team zu führen, um Konflikte zu schlichten oder fachliche Diskussionen zu moderieren.

Bei der Produktion non-verbaler Kommunikation greifen im Wesentlichen die folgenden Komponenten wie verwoben ineinander:

  • Mimik wie etwa: ‚konzentriert‘, ‚interessiert‘, ‚erschreckt‘, ‚wütend‘, ‚traurig‘ oder ‚fröhlich‘ und die oft damit verbundene Gesichtsfarbe (von Kreidebleichsein bis Zornesröte)
  • Ausdrucksart des Blicks, wie zum Beispiel: ‚fragend‘, ‚auffordernd‘, ‚drohend‘, ‚begehrend‘, ‚ab- oder zurückweisend‘, ‚verunsichert‘ oder ‚verunsichernd‘, ‚bestätigend‘ oder ‚zustimmend‘. Manchmal gar: ‚böse‘
  • Richtung des Blicks bzw. des Blickwechsels, etwa: ’nach oben bzw. unten‘ gerichtet, etwa um auszuweichen, sich zurückzuziehen, diskret zu bleiben oder nachzudenken, weil man beispielsweise Schuld, Scham, Überlegenheit oder Verlegenheit empfindet
  • Lautierungen wie zum Beispiel Seufzen, Räuspern oder Lachen,
    etwa, um den eigenen Gestus bzw. den Gestus des Gegenübers zu kommentieren, redebegleitend einzuordnen, zu kolorieren oder zu akzentuieren.

In der Regel werden diese Ausdrucksmittel ergänzt, indem man sich selbst im Raum positioniert – mehr oder minder bewusst, oft in Relation zur emotionalen Nähe bzw. zur gefühlsbezogenen Distanz, die man dem Gegenüber ‚aus dem Moment heraus‘ gerade entgegenbringt. Wer zum Beispiel eine private Party ‚wahrnimmt‘, wird live und in Farbe beobachten können, wie einzelne Gäste ‚zueinander stehen‘, sich aus dem Weg gehen, aufeinander zugehen, sich annähern oder trennen. Ein solcher Wechseltanz zwischen Nähe und Distanz bzw. Distanz und Nähe deutet auf das interpersonelle Beziehungsgeflecht hin, das Menschen untereinander verbindet – und das sie mitunter sogar selbst miteinander verbinden.
Zwischen ausdrucksstarken Individualist_innen kommt diese Form der non-verbalen ‚Auseinandersetzung‘ der Choreografie von Ballettaufführungen gleich, weil solche Menschen persönlichkeitstypisch eher als andere dazu neigen, ihre subjektive innere ‚Wahrheit‘ widerzugeben und gegen eine andere Subjektivität abgleichen zu wollen. Ähnliches gilt oft auch für Theater-Ensembles, die das sogenannte Method Acting probieren, um der Darstellungskraft von Marlon Brando oder Marilyn Monroe nahezukommen.

Um imstande zu sein, die non-verbalen Signale des Gegenübers zu registrieren – ‚beziehungsweise‘: zu deuten – braucht man empathische Grundfähigkeiten. Zum Beispiel die Kompetenz…

  • …detailgenau zu beobachten
  • …auf Erfahrungswerte aus der eigenen Gefühlswelt zu(rück)zugreifen
  • …von der Ich-Perspektive in die – angenommene oder erinnerte – Perspektive des Gegenübers zu wechseln
  • …persönliche Gefühle selbstkontrolliert regulieren zu können – beispielsweise, um den Kommunikationspartner_innen den jeweils eigenen ‚Wirkungsraum‘ freizulassen

In Anbetracht des Gegenübers liegt die hirnphysiologische Basis für die eigene Reaktionsfähigkeit vor allem im sogenannten ‚limbischen System‘. Hier werden die emotionalen Eindrücke abgebildet, verarbeitet, ausgetauscht und weitergeleitet, um im Bruchteil einer Sekunde dem einzelnen Menschen ad hoc zur persönlichen Entscheidung zu verhelfen.
Sucht man zum Beispiel die Flucht? Die Konfrontation? Das Abenteuer? Die Gefahr? Die Seelenqual? Den Schmerz? Den Reiz ‚an sich‘? Die Klärung? Den Ekel? Oder das Gruseln? Gerät man in Stress? Ekstase? Panik? Staunen? Frustration? Freude? Wut? Oder Abwehrverhalten? Oder sogar in Tränen der Enttäuschung, der Hilflosigkeit oder Ohnmacht?
Die Krux ist, dass die sogenannten Spiegelneurone unwillkürlich dazwischenfunken können: Sie sorgen u.a. dafür, dass das Gefühl des Gegenübers auf einen selbst hinüberspringt wie ein ‚emotionaler Virus.‘ Man wird dann empathisch ‚mit-‚ bzw. ‚hingerissen‘, identifiziert gemeinsame Schnittmengen – wie etwa Humor, Bildungsinteressen oder berufliche Vorhaben – und reflektiert die Körpersprache des/der andere_n augenscheinlich und urplötzlich in der eigenen Körpersprache.
Vor diesem Hintergrund sprechen bzw. schreiben manche Kommunikationspsycholog_innen u.a. von ‚Synchronisation‘ oder ‚Synchronizität‘, insbesondere innerhalb von Eigengruppen (‚in-groups‘).
Eine solche (selbst-) identifikatorische und ‚telepathische‘ Simulation findet vor allem auf den Ebenen der Mimik, Gestik und Motorik statt – etwa in Form von Lach-, Denk- oder Sorgenfalten, verschränkten Armen bzw. überkreuzten Beinen, ‚leeren‘ Blicken oder Blicken in die uferlose Leere.
Strapazen, Konflikte und Krisen, die man gemeinsam überwunden hat, tragen auch zur Aktivierung der Spiegelneuronen bei und fördern den sogenannten ‚Klick-Effekt‘ in einem vergleichbaren Maß – etwa, wenn der Abstieg in eine unterklassige Liga mithilfe des intakten Teamgeists vermieden wurde oder der zwischenmenschliche Zusammenhalt dazu beigesteuert hat, dass man inmitten der Pampa noch den Weg zur Zivilisation ausmachen konnte.
Hiergegen kann man den positiven Wirkungskreis dieses Phänomens beispielsweise bei erfolgreichen Sport-Mannschaften beobachten – etwa, wenn sich Fußballspieler_innen ‚gefunden haben‘ und zentimetergenaue Flanken in den Laufweg der Mitspieler_innen bringen, weil sie deren Bewegungsabläufe innerlich nachvollziehen und damit vorausahnen können.

Das logische Paradoxon lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Man verhält sich fast zeitgleich sowohl ungleich wie auch gleich zueinander, indem man die bedeutungsgeladenen Anteile der eigenen Gefühlswelt mit dem Gegenüber teilt.

Ob man will oder nicht, ob man sich darüber bewusst ist oder nicht: Man steht gewissermaßen auf der Brücke zwischen dem ‚du‘ und dem ‚ich‘; man manövriert das Miteinander wechselwirkend ‚auf halbe Strecke.‘ Wer sich solcher Wirkungskreise bewusst bleibt, hat eine echte Chance, das ganzheitliche Kommunikationsgebaren des Gegenübers aufzuschlüsseln und mithilfe der eigenen Verhaltensklarheit sogar subtil zu beeinflussen. Denn aus kommunikationspsychologischer Sicht entwickelt man eine solche ‚transformative Präsenz‘ vor allem über die Selbst-Reflexion, das Selbstbewusstsein und die mentale Offenheit gegenüber anderen.
Psychologen wie Prof. Dr. Peter Borkenau (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) sind übrigens der Meinung, dass durchschnittlich sechs ‚episodische‘ körpersprachliche Eindrücke genügen, um mitzubekommen, was beim Gegenüber innerlich gerade passiert – oder eben nicht passiert.
Darüber hinaus gehende Sinneswahrnehmungen verifizieren diese ersten Beobachtungen zwar, aber ändern sie kaum mehr, frei nach dem Motto: „Der erste Eindruck bleibt der tiefste.“

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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