Wer – wie ich – bereit ist, sich auf den inneren wie auch auf den äußeren Wandel einzulassen, bemerkt in der Regel, dass damit u.a. Unsicherheit und Angst einhergehen – u.a., weil mit dem eigenen Veränderungswillen ein ‚Davor‘ verbunden ist, das ein ‚Danach‘ bereits vorformuliert.

Warum manch ein Mensch das Muffensausen bekommt und Ausflüchte machen will, sobald sich ein realer Veränderungsprozess abzeichnet, mag da schwerlich verwundern.
Bis dato ist das überlebensschützende sogenannte ‚Katastrophieren‘ in der Nachkommenschaft des Ur-Menschen wirkungsvoll erhalten geblieben – etwa im biochemischen Cocktail neuronaler Strukturen. Dieses Geflecht diffuser Angst- und Unsicherheitsgefühle erweist sich im Jetzt und Hier allerdings eher als Hemmschuh, denn als adäquates Frühwarnsystem, weil das kognitive Bedrohungserleben sich ‚wie von selbst‘ den Raum greift – Raum, der einer negativ-gepolten Habacht-Haltung gar nicht länger gebührt, zumindest nicht in den zivilisatorisch erschlossenen Gebieten innerhalb Europas; längst nicht in Anbetracht der alltäglichen Abwesenheit von Würgeschlangen, Säbelzahntiger_innen, Seeungeheuern, Treibsand, toxischen Früchten, Schlingpflanzen und dergleichen mehr.
Auf die Unkalkulierbarkeit von Gegenwart und Zukunft aktiv zuzugehen, bedeutet hiergegen, die Angst vor Rückschritten, Fehlern oder gar regelrechten Niederlagen richtungsgesteuert ‚deichseln‘ zu können. Das heißt vor allem: das gesamte Paket eines Veränderungsprozesses bewusst in Kauf zu nehmen – zum Beispiel mithilfe der individuellen Fähigkeit zur Akzeptanz, Selbstannahme und Fehlertoleranz. Und indem man die Geduld mit sich und dem eigenen Manko durchgängig aufrechterhält, bis die anvisierte Umstellung de facto ‚intus‘ ist – also: adäquat verinnerlicht wurde.

Ich stütze mich dabei u.a. auf folgende Denkmuster:

  • Im Geist des japanischen Managementsystems Kaizen löse ich komplexe (Selbst-) Veränderungsprozesse in konkrete Teilschritte auf – insbesondere in Form von vorgestellten Einzelsituationen – um im mentalen Schulterblick möglichst jederzeit und überall einzuschätzen, was ‚davor‘ bereits geschafft worden ist bzw. sogar: erschaffen werden konnte; warum durchaus möglich ist, im Anschluss daran anzuknüpfen, um die angestrebte Veränderung ins dauerhafte ‚Danach‘ zu überführen. Und wie: nämlich durch das eigene Tun und Machen.
    Zum Beispiel vergegenwärtige ich mir, welche Optionen innerhalb meiner Reichweite liegen und welche Handlungsalternativenfür mich – zurzeit offen stehen bzw. sich verschließen und/oder nicht mehr zugänglich sind. Meine Erfahrung zeigt, dass diese Methode taugt, um den ‚inneren Überdruck‘ zielzentriert abzuleiten – und auch, um ihm mit Erfolg vorzubeugen – etwa, wenn unvermeidbare Entscheidungen unmittelbar ‚vor der Tür‘ stehen. Immerhin handelt es sich um Entscheidungen, die man schlussendlich selbst ‚ins Haus bestellt‘ hat.
  • Die veränderungsbegleitenden Sinnes- und Wahrnehmungseindrücke blende ich phasenweise bewusst aus, um selbstdistanziert aus der neuartigen Informationsflut ‚auszusteigen‘ und davon Pause zu machen – zum Beispiel, um mich zu erholen oder in der veränderten Wirklichkeit stabil Fuß zu fassen.
    Dabei nutze ich u.a. das Prinzip aus der Tiererziehung: „Ignoranz zeigt Dominanz.“ Denn zum Erhalt der eigenen Kontroll-, Steuerungs- und Handlungsfähigkeit trägt diese Art fokussierter Gleichgültigkeit durchaus bei.
    Sie öffnet u.a. den Zugang zum ‚unbewussten‘ Wissen – kurzum: zur Intuition – sodass leichter als ‚davor‘ möglich wird, darüber zu reflektieren, mit welchen funktionalen ‚Rollen‘ man sich bis dato wie auch künftig ‚arrangiert‘ bzw. die längste Zeit ‚derangiert hat‘; womit man sich folglich in Zukunft gar nicht mehr arrangieren mag, geschweige denn: abfinden will.
    In der Regel tritt dabei auch zutage, welche Ressourcen verfügbar sind, um wiederkehrende Energie zu generieren, statt regelmäßig Kraft zu lassen; welche unterschwelligen Konflikte aus eigenem Antrieb heraus lösbar erscheinen – und welche eben nicht bzw. nicht mehr.
  • Darüber hinaus gewöhne ich mich Jahr um Jahr mehr daran, dass mein Leben gewiss tödlich enden wird und per se das Potenzial enthält, zwischenzeitlich lebensbedrohlich zu sein. Und auch, dass mich die Realität zuweilen in innere Zwiespälte und Abgründe führen mag und obendrein noch das Zeug enthält, schwer auflösbare Widersprüche zu produzieren. Denn: Das ist eben ’so‘, und keineswegs anders.

Hiergegen nützt mir bei der praktischen Alltagsbewältigung…

  • …Fragen und Problemstellungen gelegentlich unbeantwortet zu lassen. Denn meine Alltagswirklichkeit führt mitunter den Beweis, dass ‚offene Punkte‘ sich wie ‚von selbst‘ schließen – zum Beispiel, wenn der Rahmen des eigenen Handelns sich zusehends verändert; wenn interne und/oder externe ‚Sparringspartner_innen‘ den Lückenschluss bewirken; oder wenn im Vorwärtsgehen der eigene Wissens- und Erkenntnishorizont wie zufällig erweitert wird.
    Bei einer solchen Herangehensweise beziehen sich die jeweiligen Theoretiker_innen aus den Bereichen der Psychologie und der Pädagogik auf den Begriff der sogenannten Ambiguitätstoleranz bzw. Ambivalenztoleranz. Die gute Nachricht ist: Diese Fähigkeit kann man unabhängig vom Lebensalter trainieren, weil sie mehr ist als bloß angeboren.
  • …beruflich wie auch privat die ‚kommende Zeit‘ im Vorgriff zu skizzieren und in bunten Farben auszumalen – zum Beispiel, indem ich den Geschäftsplan von SATZBAUWERK aktualisiere oder indem ich schlichtweg Gespräche führe, etwa mit Freund_innen, Kolleg_innen, allein mit meinen weißen Wänden oder mit der virtuellen – englischsprachigen – Computer-Therapeutin ELIZA. Ich phantasiere die persönliche Zukunft zurecht, ‚als ob‘ sie wunschgemäß bereits eingetreten sei. Dabei stütze ich mich u.a. auf die verhaltenspsychologische Technik des narrative futuring, um meine Selbstmotivation zu nähren. Denn:

“If you can dream it, you can do it.”
– Walt Disney –

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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