Das Verständnis davon, was Wörter, Sätze, Texte, Vorträge, Diskussionen u.ä. ‚dem Wesen nach‘ bedeuten, variiert in der Regel von einer Erfahrung bis zur nächsten, von einem Zusammenhang zum anderen, vor allem: von Person zu Person.

Denn wer von gravierenden physischen und/oder psychischen Erkrankungen frei ist, kommt kaum umhin, informative Kommunikationsvorgänge zunächst ‚für sich selbst‘ zu deuten, um gemäß der persönlichen Denkmuster, Überzeugungen und Vorerfahrungen darauf einzugehen. Oder eben nicht, etwa, wenn man die Relevanz der Information per se als ‚bedeutungslos‘ abtut, als ‚ab- oder irrwegig‘ verwirft bzw. für ‚falsch oder unzutreffend‘ hält und damit die Chance zur Kommunikation ‚gegen die Wand‘ fährt. Mit anderen Worten: Die Kommunikation zwischen zwei Menschen enthält a priori ein ’naturgemäßes‘ Maß an Ambivalenz – Ambivalenz, die der Klärung bedarf, um Missverständnissen, Fehlannahmen, Trugschlüssen u.ä. beizukommen. Zum Beispiel ist ‚ausgesprochene‘ Eindeutigkeit oft unabdingbar, um Personen anderer Altersgruppen adäquat zu verstehen und im Gegenzug auch von ihnen verstanden zu werden; um den Wissenstransfer zwischen Profis und Laien sicherzustellen; oder um bei kulturellen Unterschieden den Brückenschlag konstruktiv mitzugestalten.

Aus neuropsychologischer Sicht beginnen solche ‚bewusst‘ geführten Kommunikationsprozesse mit sogenannten ’sozialen Stereotypen‘, die individuell geprägte Hypothesen nicht nur voraussetzen, sondern regelrecht ‚voran’stellen.

Vor einiger Zeit habe ich beispielsweise noch geulkt, dass der Begriff Psychotherapie eher eine berufsständische Diagnose enthalten würde, als de facto ein Arbeitsfeld zu beschreiben…. bis ausgerechnet ich jemanden aus diesem Berufszweig zu schätzen ‚lernte‘ – und zwar: ausgerechnet aufgrund des hohen Professionalitätsgrads. Folglich hat mich meine empirische Neuerfahrung dazu veranlasst, meine Vorannahme teilweise zu korrigieren und jedenfalls anders als bisher zu formulieren. Kommunikationsschritte dieser Art bezeichnen Neuropsycholog_innen u.a. als ‚Synchronisieren‘. Das heißt: Man stellt sich mehr oder minder ‚bewusst‘ auf das Gegenüber ein – meist sogar wechselseitig.
Das passiert zum Beispiel, indem man Begriffsbedeutungen, Ideen, Vorstellungen u.ä. ‚rational‘ erscheinende Konstrukte aus-, ver- und abhandelt und innerhalb der eigenen Gedankenwelt frei und offen dafür bleibt, die Ähnlichkeiten und Unterschiede nachzuvollziehen, um sie schlussendlich zu akzeptieren, ’stehenzulassen‘ bzw. zurückweisen zu können.
Solche vorwärtsführenden Kommunikationsflüsse setzen allerdings sprachlich produzierte ‚Schleifen‘ voraus, die idealerweise zum Gemeinschaftswerk geraten, von Mensch zu Mensch zu ‚fließenden Übergängen‘ beisteuern und oft dadurch erst ermöglichen, vom anderen zu lernen bzw. imstande zu sein, das eigene Wissen zielsicher ans Gegenüber zu vermitteln.
Dieses informationstheoretische Prinzip hat der Pfarrer Thomas Bayes (1702 – 1761) im sogenannten Bayes-Theorem – auch bekannt als: Bayes-Satz – als mathematische Formel ausgedrückt. Ihr zufolge befähigt die Beobachtungsgabe u.a. dazu, dass man aus neuen Informationen ableiten kann, in welchem Umfang das vorab existierende Wissen erweitert wurde – kraft der Neuauskünfte selbst.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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