Dass in meinem Freundeskreis gescheite Menschen manchmal mit ihren Motorrädern sprechen, indiziert – aus meiner Sicht – den Variantenreichtum ihres problemlösenden Repertoires.
 
Das gilt vor allem, wenn sie sogenannte ‚offene Fragen‘ stellen wie: „Warum springst du gerade jetzt nicht an?“ Und motivierende Aufforderungen darauf folgen lassen wie: „Gestern hat’s super funktioniert…“ Denn die eigenen Gedankenzüge in einen verbalisierten Monolog überführen zu können bedeutet u.a., zur Selbstdistanz fähig zu sein – etwa, um den Blick auf das Problem zu erweitern, um im Rückgriff auf die Vorerfahrung einen neuen Kontext herzustellen oder um für die Anbahnung der Lösung entspannt genug zu bleiben.
Dafür ist unabdingbar, sich während der Problembesprechung selbst aktiv zuzuhören, damit der eigene Zungenschlag die Tore zu den Schichten des Bewusstseins gezielt aufstoßen kann, und damit die Aufmerksamkeit auf der Auseinandersetzung mit dem Ist-Zustand fokussiert bleibt, statt in selbst-sabotierende Verdrängungsmechanismen abzudriften. Dass oft sowohl die Fragen als auch die Antworten buchstäblich ‚auf der Zunge liegen‘, ist dabei die wirklich gute Nachricht. Aus diesem Grund stütze ich mich u.a. auf folgende Kommunikationsstrategien, um jederzeit und überall in ein offenes Gespräch mit mir selbst eintreten zu können:

  • Ich spreche komplexe Gedankenzüge deutlich hörbar
    in die Leere des Raums hinein.

    Denn die Produktion des ‚gesprochenen Worts‘ geht – üblicherweise – langsamer vonstatten als die Konstruktion der ‚inneren Stimme‘. Daraus ergibt sich in der Regel ein (selbst-)wirksamer Entschleunigungsprozess, der im Nachgang u.a. dazu beisteuert, die inhärenten Strukturen persönlicher Verhaltensmuster zu überprüfen. Außerdem beugt man damit der eigenen sprachlichen Entgleisung vor – zum Beispiel im nachgeordneten Austausch mit anderen oder bei der Texterstellung.
    Zudem formuliere ich durchweg vollständige Sätze, um der eigenen Verhaltensklarheit auf der Spur zu bleiben.
  • Ich stelle mir sogenannte ‚Erweiterungsfragen‘,
    um meinen Bezugsrahmen zu vergrößern.

    Dadurch erhöht man u.a. den Zugriff auf alternative Lösungspfade und auf Vorgehensweisen, die man eventuell zu wenig oder noch gar nicht beachtet hatte. Besonders nützlich sind dabei die sogenannten ‚W-Fragen‘: ‚Warum?‘ ‚Wer?‘ ‚Was?‘ ‚Wie?‘ ‚Wie oft?‘ ‚Wann (nicht)?‘
    Und Fragen nach der Kausalität: ‚Was passiert, wenn ich dies eine mache, statt das andere zu versuchen?‘ Darin zeigt sich nämlich eine methodische Priorisierung, die auf einem ‚inneren Plan‘ beruht und zur eigenen Übersicht beiträgt.

Vor diesem Hintergrund ist nützlich, analytisch miteinzubeziehen, wie Kinder im Vorschulalter – wie ’selbstverständlich‘ – mit sich selbst reden, insbesondere in den Phasen des aktiven Spracherwerbs.
Antizipatorisch wie auch selbst-reflexiv trainieren sie sich dadurch häufig für ihre Teilhabe an der Kommunikation mit Erwachsenen. Ich halte solche Beobachtungen für wichtig, weil meine Erfahrung u.a. zeigt, dass ein Selbstgespräch die sprachliche Genauigkeit erhöht, den tagtäglichen Stress reduziert, den Gefühlen inneren Drucks entgegenwirkt und darüberhinaus auch dazu taugt, sich selbst Mut zuzusprechen. Und weil allgemeinhin immernoch gilt:

„Man führt nicht mehr genug Selbstgespräche heutzutage.
Man hat wohl Angst, sich selbst die Meinung zu sagen.“
 – Jean Hyppolyte Giraudoux (1882 – 1944) –

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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