„Was geht da drinnen vor?: Die Gehirnentwicklung
in den ersten fünf Lebensjahren“
von Lise Eliot
Berlin Verlag, Sonderausgabe 2010
784 Seiten, € 19,90

Während das Kind noch die Welt entdeckt, bewährt sich, die Entwicklungssprünge des Kindes zu enträtseln – und damit den Versuch zu wagen, die frühkindlichen Gefühle und Gedanken möglichst zutreffend zu erraten. Der Wälzer der U.S.-Amerikanerin Lise Eliot schafft dafür eine geeignete Grundlage, weil die neurophysiologischen Reifungsprozesse durch alltagsnahe Beispiele verdeutlicht werden, weil der inhaltliche Aufbau chronologisch wie auch analog auf das beschriebene Lebensalter des Kleinkinds ausgerichtet ist und weil die Autorin schlaglichtartige Querverbindungen zu den angrenzenden Natur- und Geisteswissenschaften herstellt: etwa zu den Bereichen der Biologie, der Genetik, der Psychologie, der Soziologie, zu den Sozial- und Erziehungswissenschaften.
Dabei kristallisieren sich thematische Schwerpunkte heraus, insbesondere hinsichtlich der Mentalisierung wissenstheoretischer Konzepte. Sie gelten disziplinübergreifend als unabdingbare Schlüsselfaktoren – zum Beispiel für die kognitive Fähigkeit, sich zu erinnern und dadurch auch zurückliegende Lernerfahrungen auf neuartige Zusammenhänge anwenden zu können.
Dass die Mehrzahl frühkindlicher Entwicklungsdefizite nicht angeboren ist, sondern erworben wird, lässt die Hirnforscherin allerdings außer Acht: Trotz ihrer Bezüge zu den umweltbedingten Faktoren geht sie durchweg von einem gesunden Verlauf der Hirnentwicklung aus.

 

„Schlafenszeit oder Verhandeln mit Terroristen:
Aus meinem Leben als Vater von fünf Kindern“
von Jim Gaffigan
Riva-Verlag, 2014
224 Seiten, € 14,99

Eine Familie haben zu wollen und innerhalb eines solchen Gefüges ein eigenes, möglichst unabhängiges Leben zu reklamieren, bleibt – aus meiner Sicht – ein zweifelhaftes Vergnügen. Weil der U.S.-Amerikaner Jim Gaffigan mit seinen fünf Geschwistern in einem irisch-katholischen Umfeld aufgewachsen ist, konnte er immerhin aus der persönlichen Erfahrung heraus ahnen, worauf er sich einlassen würde und frühzeitig einen situationsgerechten Sinn für Humor heranbilden.
Mittlerweile ist der Stand-up-Comedian in einer Drei-Zimmer-Wohnung in New York City (USA) angekommen und Vater von fünf Kleinkindern. Über den Kurz-Nachrichtendienst Twitter erreicht er derzeit eine Millionenschar sogenannter follower. Denn: Gaffigan hatte seine erziehungsbezogenen Pointen, Einsichten, Fort- und Rückschrittberichte zunächst in Form von sogenannten Tweets unters Volk gebracht.
Daraus entwickelte sich eine Beitragsreihe für die Tageszeitung The New York Times und schlussendlich ein Unterhaltungsbuch mit (selbst-) satirischen ‚Einschlägen‘, das den Angehörigen null- bis achtjähriger Kinder beim Seitenumblättern zu Déjà-vu-Erlebnissen verhelfen vermag.

 

„Jein!: Bindungsängste erkennen und bewältigen.
Hilfe für Betroffene und deren Partner“
von Stefanie Stahl
Ellert & Richter Verlag, 6. unveränderte Auflage, 2011
272 Seiten, € 14,95

Aus meiner Sicht tragen die gefühlszentrierten Beziehungen zwischen mehr oder minder erwachsenen Individuen u.a. den furchtbar schönen Wesenszug, dass sie üblicherweise ihre Spuren hinterlassen – Spuren, die zu Lebensnarben geraten können, sofern die Dynamik des Miteinanders überwiegend diffus bleibt, der Mut zur (Selbst-) Konfrontation mürbe wird und die energetische Wechselwirkung zur dauerhaften Ambivalenz ausufert. Vor dieser Folie trägt der Ratgeber der deutschen Psychotherapeutin Stefanie Stahl dazu bei, den Eindruck zu entkräften, ihr Berufsstand würde bloß Probleme schaffen, die davor kein Mensch je gekannt – geschweige denn: selbst erlebt – hat.
Den Begriff der sogenannten Bindungsangst schlüsselt die Autorin kapitelweise und lebensnah auf, und zwar: in die Erscheinungsformen, Ursachen und Lösungswege. Im Schlussteil weist sie darauf hin, welche Fallstricke und Trugschlüsse zu vermeiden sind, um sich keinen schöngefärbten Illusionen hinzugeben.
Denn wer verhaltensklar handelt, den eigenen Gefühlen vertraut und die Treue zu sich selbst hält, erhöht die Chance, eine Beziehung zu führen, in der das Verhältnis zwischen Nähe und Distanz zu allen Seiten stimmig bleibt. Im Idealfall sogar: für immer.

 

„Die Psychologie sexueller Leidenschaft“
von David Schnarch
Klett-Cotta-Verlag, 7. Auflage, 2014
512 Seiten, € 29,95

Intimität, Erotik und Lust auf Sex verbinden sich üblicherweise zu einem kreativen
Allerlei, das Spaß macht und gelegentlich sogar den persönlichen Horizont erweitert. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich niemand im anderen verliert und die eigenen Bedürfnisse unabhängig vom Gegenüber zu sättigen weiß.
Wer einerseits konservativen Werten wie Monogamie, Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein anhängt, andererseits auch freigeistige Denk- und Gefühlsstrukturen verinnerlicht hat, spürt bisweilen, wie zügig die phantastischen Herausforderungen zwischen die Fugen einer Beziehung geraten können, zum Beispiel, wenn die Phase der Verliebtheit zu Ende geht oder wenn innerhalb einer mehrjährigen Partnerschaft das sexuelle Einerlei mehr und mehr Raum einnimmt.
Der U.S.-amerikanische Sexualwissenschaftler Prof. David Schnarch hat u.a. mit dem oben genannten Buchtitel pionierartige Aufklärungsarbeit geleistet, um mehr oder minder ‚glückliche‘ Paaren darin zu unterstützen, zu ihrem Begehren eigeninitativ zurückzufinden. Schnarchs konfrontativer Ansatz birgt vor allem das erbauliche Potenzial, die beziehungsinternen Hemmschwellen flach zu halten, zum Beispiel, indem man die sogenannten ‚vier Aspekte der Balance‘ ins Lot bringt. Sie bestehen u.a. darin…

  • …sich die Autonomie zu bewahren, indem man in der eigenen Identität verankert bleibt, statt die Meinung des Partners bzw. der Partnerin zum Maß jedweden Geschehens zu machen;
  • …persönliche Ziele anzuvisieren und diesen Zielsetzungen aktiv nachzugehen, statt die sexuellen Flauten stillschweigend hinzunehmen;
  • …die Fähigkeit zur inneren Gelassenheit auszubauen, indem man akute wie auch unterschwellige Ängste eigenständig im Griff behält;
  • …bereit zu sein, sich den partnerschaftlichen Konflikten zu stellen, statt sich zu entziehen bzw. sich nachgerade zu verbiegen – etwa aus der Leugnung eigener Unsicherheit heraus, oder weil man sich aufgrund von Verlust- oder Versagensängsten in eine kontraindizierte Richtung treiben lässt.

Wie der Spagat gelingt, sich im Licht des Gegenübers zu differenzieren, gleichzeitig erotisch angezogen und anziehend zu bleiben, beschreibt der Autor u.a. mithilfe von Fall-Beispielen. Und mit zielführenden Tipps, die den Leser_innen heimbringen, was bei der Umsetzung des eigenen Wirklichkeitsabgleichs besonders zu beachten ist. Dabei wird u.a. deutlich, dass eine gemeinsame sexuelle Entwicklung durchaus möglich ist – und zwar: ohne symbiotisch zu verschmelzen – etwa, indem man sich mit den individuellen Unterschieden auseinandersetzt, um stets wie neu zusammenzufinden. Im Idealfall sogar: für alle Zeit.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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