In den wissenszentrierten Arbeitsgesellschaften der Westlichen Welt geht der zeitliche Takt des Fortschritts üblicherweise damit einher, dass die berufsbedingten Arbeitspakete sich verdichten.

Auch der professionelle Anforderungsgrad einzelner Aufgaben scheint kontinuierlich zuzunehmen. Allgemeinhin wird als Reaktion darauf eine Flut von Daten und Informationen generiert, statt den Knackpunkt einer Ist-Situation aus dem Modus Operandi heraus begreifen und analysieren zu wollen.

Zum Beispiel gehört zu den gängigen Verhaltensketten…

  • …zeitintensive Konferenzen ‚abzuhalten‘, um projektspezifische, organisationstechnische oder gar: strategische Problemstellungen en bloc zu besprechen, bevor man einzelne Entscheidungsschritte dennoch an fachkompetente Teammitglieder überantwortet oder extern delegiert;
  • …mithilfe von Mutlitasking-Techniken ein Dutzend unterschiedliche Sachen zugleich anzupacken – wie im Synchronflug von Zugvogelschwärmen – etwa, indem Rundmails undifferenziert versendet werden oder indem Arbeitsunterlagen in (weitgehend ungeschützten) digitalen Clouds landen, statt auf dem Schreibtisch desjenigen, der de facto daran weiterwerkeln wird.

Dass solche Formen der Informationsballung eine ort- und zeitübergreifende Übersicht zum jeweiligen Projektverlauf ermöglichen würden und sämtliche Teammitglieder den dazugehörigen Arbeitsprozess durchschauen könnten, ist dabei oft die hintergründige – aus meiner Sicht: fehlschlüssige – Annahme.

Denn wie im Schleichgang formiert sich dabei auch das Risiko, bereits abgeschlossene Gedankenzüge in einzelne Fasern zu zerlegen, statt den redensartlichen ‚roten Faden‘ zu knüpfen und firm in der Hand zu behalten – etwa, um an dieser Richtschnur weiterführende Priorisierungen, Handlungsreihen und thematische Bögen einzufassen und somit teamintern verbindlich zu machen.
Im Vergleich dazu ist – aus meiner Sicht – sinnerfüllender, effizienter und produktiver, sich die jeweiligen Projektziele auf den ‚inneren Radar‘ zu holen, da und dort zu halten und den werktäglichen Informationsstrom in entscheidungs- und ergebnisorientierte Kommunikationsflüsse zu strukturieren. Denn bekanntlich ist die eigene Position besonders stark, von man selbst stark bleibt.

Ich stütze mich dabei u.a.
auf die folgenden Maxime: Ich…

  • …grenze jeden Arbeitsschritt sowohl vom vorherigen ab als auch vom nächstfolgenden, damit mein eigener Gedankenzug nicht pendelt, sondern nach vorn geht;
  • …strebe keineswegs durchweg konsensuelle geschweige denn: optimale Lösungen an, sondern behalte den Bezug zum zeit- und zweckgebundenen Rahmen, bis die Schlussphase in die unmittelbare Reichweite des gesamten Projektteams gerät, zum Beispiel, indem ich benenne, wo für wen die Verantwortung eigener Entscheidungen beginnt und endet – und bis wann. Und ich vergegenwärtige mir und anderen, dass ‚gut‘ und termingetreu zu arbeiten oft genügt, um überdurchschnittliche Endergebnisse gemeinsam zu erwirken;
  • … simuliere komplexe Einzelschritte auf der mentalen Ebene, indem ich sie mir ‚im Geiste‘ vorzeichne und zurechtlege, zum Beispiel, um während der tatsächlichen Ausführung auch mein Stressempfinden zu reduzieren.
    Neurowissenschaftler wie der britische Psychologe Chris Frith haben nämlich anhand bildgebender Geräte dokumentieren können, dass unter dem Eindruck der persönlichen Vorstellungskraft dieselben Hirnregionen aktiviert werden, die auch bei motorisch vollzogenen Handlungen in Schwung kommen;

Ich bewege mich auch regelmäßig zwischen meiner eigenen Produktivität und der Produktivität anderer, zwischen der Kopf- und der Körperarbeit – und nicht zuletzt: zwischen meinem Berufsleben und meiner Privatsphäre.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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