Sprachtheoretisch betrachtet, transportiert das Gesagte mehr als bloß Worte. Denn in der Regel wird der Informationsgehalt vom gefühlszentrierten Willen des Sprechenden flankiert. Da will wer was – oder eben nicht (mehr).
Zu reden, zu fragen oder beide Stilmittel gezielt zu kombinieren sind verbalisierte Ausdrucksformen davon.

Sie gelingen zum Beispiel, indem man sogenannte rhetorische Fragen stellt: „Sie sind doch nicht von gestern, oder?“ Alternativ dazu kann man einen sogenannten illoktutionären Sprechakt produzieren – einen intentionalen Aussagesatz, der einen selbsterfüllenden Charakter in sich trägt: „Ich gehe davon aus, dass Sie bis morgen früh das Problem adäquat gelöst haben werden“. Allerdings steht dem Gegenüber die Möglichkeit offen, mit ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ darauf zu reagieren.

Wer ‚Ja‘ sagt, signalisiert allgemeinhin…

  • …die Bereitschaft, die persönliche Verantwortung zu schultern, die Verantwortung anderer mitzutragen oder sogar rundweg zu übernehmen, zum Beispiel, indem parallel zu den eigenen Aufgaben zusätzlich die Aufgaben des Gegenübers bearbeitet werden – in Teilen oder im Ganzen. Die Motivation kann u.a. darin liegen, durch Leistungswillen, Arbeitseifer oder überdurchschnittliche Belastbarkeit auf der Karriereleiter nach oben zu kommen;

Wer ‚Nein‘ sagt, signalisiert allgemeinhin…

  • …ein Maß an Souveränität, denn üblicherweise geht damit einher, dass die Erwartungen anderer per se nicht gesättigt werden, zum Beispiel, weil die angetragenen Offerten auf Ablehnung treffen, weil persönliche Einladungen ausgeschlagen oder Dialoge bewusst abgebrochen werden;
  • …anderen den Vorrang zu gewähren, zum Beispiel, weil man aus den eigenen Abwägungen heraus zu einer abweichenden Art der Prioritätensetzung gekommen ist;
  • …die Fähigkeit, potentiell übergriffigem Kommunikationsverhalten Paroli zu bieten – etwa, um die persönlichen Ressourcen zu schonen oder um sich auf die eigenen Arbeitsgebiete möglichst uneingeschränkt konzentrieren zu können. Das gelingt zum Beispiel, indem man die professionellen Zuordnungen unmissverständlich auseinanderhält und jedem Teammitglied latent zutraut, den jeweiligen Aufgabenbereich eigenständig zu bewältigen.

Um die Kompromisslinien zwischen ‚Ja‘ und ‚Nein‘ partnerschaftlich auszuhandeln, ist aus meiner Erfahrung heraus nützlich…

  • …Aufgaben untereinander zu tauschen – insbesondere, wenn sowohl der Zeitaufwand als auch der aufgabenspezifische Anforderungsgrad vergleichbar ist;
  • …den Gesprächspartner_innen situationsbezogene Einschätzungen anzubieten oder alternative Handlungspfade aufzuzeigen – vor allem, wenn in der Organisationskultur bereits verankert ist, dass jedes Teammitglied für alle anderen mitdenkt und die interne Kommunikation die sachlichen Ebenen stärker addressiert als die emotionalen Zwischentöne;
  • …sich zu vergegenwärtigen, dass man sich – und anderen – auch eine Bedenkzeit einräumen kann, sofern die persönliche Positionierung noch unklar erscheint.

Denn die Lebenswirklichkeit im hoch technisierten  Okzident entspricht keineswegs der schematisierten Haltung von Herman Melvilles Protagonisten Bartleby. Dieser Schreiber erwidert nämlich stets: „Nein, ich möchte nicht.“

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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