„Sucht – Hintergründe und Heilung: Abhängigkeit verstehen und überwinden“
von Heinz-Peter Röhr
Patmos Verlag, 5. Auflage, 2011
190 Seiten, € 14,90

Als Pädagoge und Psychotherapeut hat Heinz-Peter Röhr ca. 30 Jahre lang mit suchterkrankten Menschen gearbeitet. Und er hat ihre Angehörigen darin begleitet, das co-abhängige Verhalten dauerhaft zu beenden bzw. von Anfang an zu unterbinden. Vor diesem Hintergrund fasst der Autor kurz und bündig zusammen, welche sozialen Faktoren am Strudel der Sucht beteiligt sein können und wie man aus einer solchen Spirale eigenverantwortlich hinausfindet – zum Beispiel, indem man die Dynamik versteht, die durch die Abhängigkeit von Substanzen wie Nicotin oder Alkohol generiert wird. Oder indem man begreift, warum gefühlsgeladene Kicks destruktiv wirken können, sofern man sie wieder und wieder erleben ‚muss‘ – etwa in Form von überbordendem Internet-, Sport- und Spielkonsum.
Darüber hinaus legt Röhr plausibel dar, aus welchen Gründen der Suchtausstieg
– buchstäblich zu jeder Zeit – misslingen kann und warum ein Rückfall auch nach mehrjähriger Abstinenz noch möglich bleibt.

 

„Die Zigarette“
von Cristina Peri Rossi
Übersetzung: Sabine Giersberg
Berenberg Verlag, 2. Auflage, 2012
165 Seiten, € 21,50

Der Wille, nicht mehr zu rauchen, wird mitunter von einem Verlustgefühl begleitet, das eigentümlich traurig macht und vorübergehend die Tagesroutine zerreißt. Cristina Peri Rossi nimmt diese Gefühlswogen treffsicher und humorvoll auf, um ihren eigenen Weg in die Rauchfreiheit zu beschreiben. Aus ihren Einsichten und Schlüsselerlebnissen ergibt sich ein essayistisch erzähltes Gedankenwerk, das ein trostreiches Geleit bietet – zum Beispiel, wenn man erwägt, den Nicotinentzug selbst anzugehen oder Nichtraucher_innen vermitteln möchte, warum es schwierig bleibt, ein für allemal auf die Zigaretten zu verzichten.

 

„Zauber und Zeichen. Das Leben der Dichterin Anne Sexton“
von Diane Wood Middlebrook
Übersetzung: Barbara von Bechtolsheim
Wilhelm Goldmann Verlag, 1996
603 Seiten, z.Z. vergriffen, in Antiquariaten sicherlich auffindbar

Sowohl die wirkungsvolle Lebensweise als auch die selbstgewählte Todesart der US-amerikanischen Lyrikerin Anne Sexton (1928 – 1974) hat mich zu meinem ersten Drehbuch inspiriert – u.a., weil sie den Mut aufbrachte, ihr multi-funktionales Suchtverhalten zum poetischen Leitmotiv zu machen und weil sie konsequent die Normen ihrer Zeit durchbrach, statt ihre Energie darauf zu fokussieren, seelisch gesund zu werden. Mitte der 1960er Jahre avancierte Sexton – scheinbar entgegen aller Wahrscheinlichkeit – zur höchstbezahlten Dramatikerin der USA und gewann im Jahr 1967 den renommierten Pulitzer-Preis.
Bevor sie sich am Auspuffgas ihres rot lackierten Sportcoupés Marke: Ford Cougarselbst erstickte, hatte Sexton ihre Zigaretten im Sprechzimmer ihres Psychiaters versteckt und danach den Raum verlassen – wie ein gestisches Brandmal, dass sie auch den Freitod feierlich zum Erfolg führen würde. Sie hatte für diesen Akt lebenslang geprobt.
Sextons Biografin Diane Wood Middlebrook (1939 – 2007) gelingt nicht nur die Gratwanderung zwischen analytischer Distanz und mitfühlender Einordnung. Sie porträtiert auch einen Freigeist, der an den Tücken der Süchte selbstidentifikatorisch zersplittert, bis die Fragmente des vormaligen Lebenskonzepts nicht mehr zusammenpassen.

 

„Wer nicht spielt, ist krank: Warum Fußball, Glücksspiel und Social Games lebenswichtig für uns sind“
von Norbert Bolz
Redline Verlag, 2014
208 Seiten, € 19,99

Der Ansporn für jedes Spiel liegt in intrinsischen Werten, wie etwa: Lebenslust, Vorstellungskraft und Selbstbestätigung. Deshalb trägt die Fähigkeit, sich auf unterschiedliche Spielarten einzulassen, lustvoll dazu bei, die Anstrengungen des Alltags auszugleichen und den Austausch mit der sozialen Umgebung mittels alternativer Herangehensweisen zu verhandeln. En passant öffnen sich dadurch innere Freiräume, die das Instrumentarium persönlicher Ausdrucksmittel zugriffsbereit beherbergen und sogar kreativ erweitern können.
In der Gegenbewegung zu den derzeit gängigen soziologischen, erziehungswissenschaftlichen, philosophischen und (verhaltens-) therapeutischen Bedenken, plädiert der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz für ein rundweg positives Menschenbild, das von der mündigen und selbstverantwortlich handelnden Person ausgeht. Der Autor setzt darauf, dass die Regeln des Spiels um des Spielens willen befolgt werden und der freie Wille den Menschen dazu befähigt, die eigenen spielerischen Grenzen zu erfassen, zu akzeptieren und einzuhalten. Fern von jedwedem Sucht- oder Leidensdruck bietet das dialektisch strukturierte Buch von Bolz ein Entrée zum vergnüglichen Zeitvertreib.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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