Die U.S.-amerikanischen Mathematiker Claude E. Shannon (1916 – 2001) und Warren Weaver (1894 – 1978) haben die Informationstheorie des 20. Jahrhunderts insofern mitbegründet, als dass sie ab anno 1949 erstmals die Grundlagen des ‚Sender-Empfänger-Modells‘ formulierten, das nachfolgend von europäischen Experten wie Paul Watzlawick (1921 – 2007) und Friedemann Schulz von Thun erweitert wurde.
Um mithilfe mathematischer Folien die Kommunikationsprozesse innerhalb des U.S.-Militärs zu optimieren, identifizierten Shannon und Weaver sechs Komponenten, die sie als strukturell ausschlaggebend hervorhoben, nämlich:

  • den Sender (bzw. die Informationsquelle)
  • die Chiffres (bzw. die Verschlüsselungen und Codes)
  • die Nachricht (bzw. die Botschaft)
  • den Nachrichtenkanal (bzw. den Kommunikationskanal)
  • die Dechiffrierungen (bzw. die Entschlüsselungen und Decodierungen)
  • den Empfänger (bzw. den Informationsverabreiter)

Nach Shannon und Weaver ist der ‚Sender‘ üblicherweise
eine Einzelperson oder eine Personengruppe.
Sie löst einen ort- und zeitübergreifenden Kommunikationsakt aus, nachdem sie aus sich selbst heraus einen hinlänglichen Anlass ausgemacht hat, um die Übermittlung einer Nachricht überhaupt für notwendig zu erachten – zum Beispiel, um beim Empfänger eine inhaltsbezogene Überzeugungsarbeit abzuleisten, um Willensbekundungen abzugeben oder um einen Appell zu formulieren, der die gegenüberliegende Seite dazu anspornt, etwas Bestimmtes zu tun, zu unterlassen oder zu unterbinden. Theoretisch betrachtet kann auch ein Gerät als Sender fungieren, zum Beispiel in Gestalt einer geschaffenen Figur – als sprachlich steuerbarer Roboter, als animierte Darstellung, als technisches Interaktionsprogramm und dergleichen mehr. Dem ‚Sender‘ obliegt zunächst die Aufgabe, den Informationsinhalt festzulegen, der dem ‚Empfänger‘ konkret vermittelt werden muss. Um dieses Ziel per se erfüllbar zu machen, definiert sich Begriff der ‚Information‘ nach Shannon und Weaver wie eine zielzentrierte Formel, nämlich als…

Weil die Handlungsfolge vom Empfänger plangemäß ausgeführt werden soll, ergibt sich aus dem obigen Ausdruck im Großen und Ganzen auch eine Skala für den Kommunikationsprozess. Eine solche Skala beginnt – theoretisch betrachtet – beim Kommunikationserfolg und endet bei der Fehlkommunikation. Dass der Empfänger auf die Nachricht so reagiert, wie der Sender ursprünglich intendiert hat, ist schließlich in demselben Maß möglich wie das Risiko, dass gar keine Reaktion eintritt. Obendrein kann sich der Empfänger zum Informationsinhalt anders verhalten als originär bezweckt wurde, sodass das Ergebnis der Kommunikation vom anvisierten Kommunikationsziel signifikant abweichen würde.
Deshalb setzt jeder Kommunikationsakt voraus, dass zwischen dem Sender und dem Empfänger ein gemeinsames Vorwissen besteht – ein Vorwissen, das…

  • …von beiden Seiten korrekt angewandt werden muss;
  • …während der Informationsvermittlung jedoch gestört werden kann;
  • …durch den Kommunikationsvorgang selbst beeinflussbar bleibt.

Zum Beispiel zeigt sich ein verzerrender Kommunikationseinfluss u.a. dadurch, dass das Vorwissen nur selektiv aktiviert wird und/oder bloß zum Teil adaptiert wird, statt sich nach der Maßgabe des Senders bedeutsam zu verändern bzw. statt unter dem Eindruck der neuen Information schrittweise erweitert zu werden.

Nach Shannon und Weaver beschreibt der Begriff der ‚Chiffres‘
eine begrenzte Anzahl vorab festgelegter Zeichen.

Zum Beispiel in Form von Vokabularien, Symbolen oder Ikonografien dienen die sogenannten Chiffres dazu, sowohl dem Sender als auch dem Empfänger einen kognitiven Schlüssel bereitzustellen, mit dem sich ein konsensueller Bedeutungsraum öffnen lässt. Denn durch solche ’syntaktischen‘ Repräsentanzen wird die interpersonelle Beziehungsebene strukturiert, die Unterscheidbarkeit einzelner Komponenten sichergestellt, die inhaltliche Sinnhaftigkeit konkretisiert und obendrein noch in einen wechselseitig nachvollziehbaren Zusammenhang gebracht.
Aufgrund formaler Regelwerke entsteht darüber hinaus das Potenzial, dass der jeweilige Bedeutungsinhalt die Distanzen von Ort und Zeit unbeschadet überdauern kann. Immerhin wurde im Vorhinein eine spezielle Form dafür verabredet. Folglich dürfen die einzelnen Bestandteile nicht mehr beliebig miteinander kombiniert werden.
Wenn man dieses Prinzip zum Beispiel auf die Morsezeichen der deutschen Seefahrt überträgt, signalisiert der ununterbrochene Code ‚dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz‘ ( · · · − − − · · · ) dem Ursprung nach, dass aufgrund vorheriger Absprachen die umliegenden Funkstationen sofort in den Modus der Funkstille eintreten müssen, damit ein havariertes Schiff dazu befähigt wird, den eigentlichen Notruf auszusenden, damit ein solcher Alarm anschließend auf möglichst großes Gehör trifft und damit die dafür notwendige Umgebungsstille nunmehr als gesichert gelten kann, bis die Seenotrettung wirksam in die Situation eingegriffen hat.

Nach Shannon und Weaver beschreibt der Begriff der ‚Nachricht‘
den Aussagewert kombinierter Chiffres.

Eine Nachricht zeichnet sich in der Regel dadurch aus, dass sie aus einer Abfolge werthaltiger Zeichen besteht, die das Verhalten des Empfängers im Sinne des Senders beeinflussen soll – bis hin zur Impulssteuerung.
Heutzutage beschreibt zum Beispiel die Anzahl ‚bedeutungsvoller‘ Sterne das Niveau eines Hotels – etwa, um den Übernachtungspreis zu qualifizieren oder um dem potenziellen Gast die Entscheidung ‚dafür‘ oder ‚dagegen‘ zu erleichtern.
Ein solches Wertungssystem bedingt allerdings, dass die jeweilige Zielgruppe den Code dafür ‚richtig‘ aufschlüsseln kann und mit keinem anderen verwechselt – etwa, weil sie um den Unterschied zum Chiffre der Segensbitte weiß, der auch auf das Sternsymbol setzt. Die Intention der Sternsinger birgt eine andere Art von Empfehlung: nämlich die, die Himmelserscheinung des Sterns von Betlehem sich buchstäblich vor Augen zu halten.

Sowohl die Chiffrierung als auch die Dechiffrierung der interpersonellen Kommunikation bleibt eng mit der ’semantischen Ebene‘ verwoben.
Denn sie gewährleistet, dass die Signale und Zeichen einer Nachricht weitgehend bedeutungsklar sind, sodass sie vom Empfänger annähernd zutreffend verstanden werden können – vor allem, wenn überwiegend kurze Sätze darin vorkommen und eindeutige Wörter gewählt werden.
Die Besonderheit des Dechiffrierens liegt darin, dass sich infolge dieses Vorgangs die Nachricht selbst verändert: Sie schält sich bis zum Kern der Information ab. Bei einer erfolgreichen Kommunikation reagiert der Empfänger, indem der nächstfolgende Handlungsschritt eigenständig vollzogen wird – allerdings im Geiste des Senders.

Technisch betrachtet liefert der ‚Nachrichtenkanal‘ die eigentliche Kommunikationsbasis – sowohl für den Sender als auch für den Empfänger.
Denn a priori ist unabdingbar, dass die Übertragungsgeräte beider Seiten zueinander passen, damit niemand ins Leere kommuniziert. Zum Beispiel werden hypothetische außerirdische Wesen nur dann imstande sein, humanoide – geschweige denn: menschliche – Botschaften zu lesen, wenn sie über einen Mechanismus verfügen, der solche Nachrichten im doppelten Wortsinn ‚erfasst‘, nämlich technologisch wie auch analytisch.
Darüber hinaus gilt der Grundsatz, dass der Nachrichtenkanal mit dem Inhalt der Nachricht kompatibel sein muss. Zum Beispiel eignet sich ein Walkie-Talkie genausowenig für die Bildübertragung wie ein Fotoapparat dazu taugt, umfangreiche Texte zu transferieren.

Auf der Seite des Empfängers bleibt der Kommunikationskreis vorerst offen
– bis zum Feedback.

In Bezug auf die Information kann das Feedback des Empfängers über einen alternativen Kommunikationskanal erfolgen, sofern der Sender ebenfalls einen zuverlässigen Zugang dazu hat. Weil ich zum Beispiel ein Telefon habe – genau wie manche Leser_innen – gehen die Kommentare zu den Blog-Beiträgen u.a. in Form von Telefonaten bei mir ein. Und ich bin durchaus imstande, darauf zu reagieren (oder eben nicht).
Wer mit dem Empfang von Nachrichten betraut ist, ist allerdings auch mit der Crux konfrontiert, dass es in der Regel keine Zweifelsfreiheit darüber gibt, ob die Zeichen einer Nachricht vollständig und/oder unverstellt eingegangen sind. Denn auf dem Übertragungsweg können diverse Störquellen buchstäblich dazwischen funken, etwa aufgrund technischer Fehlfunktionen oder weil die Umgebungsgeräusche den eigentlichen Nachrichtengehalt überlagern.
Ich verständige mich zum Beispiel mit meinem Lauftrainer Moses M. über ein zeichensprachliches Repertoire, das ich auf der Trainingsstrecke jederzeit störungsfrei erkennen kann. Unter den Wettkampfbedingungen eines Straßenlaufs wird die Sicht auf diese gestischen Handzeichen eventuell unvorhersehbar blockiert werden – sowohl durch die Zuschauer_innen als auch durch das Feld der anderen Läufer_innen, fern jeder Absicht.
Aus diesen Gründen ist naheliegend, wichtige Nachrichten wiederholt auszusenden und dabei auf unterschiedliche Arten der Chiffrierung zu setzen. Zum Beispiel empfiehlt sich in solchen Fällen, den gleichen Informationsinhalt in diversen Formen und in zeitlicher Nähe zueinander zu kommunizieren – etwa als Text, Grafik und/oder als Bild.

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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