„Meine ruhelose Seele: Die Geschichte
einer bipolaren Störung“

von Kay Redfield Jamison
mvg Verlag, 2014
208 Seiten, € 16,99

Die U.S.-amerikanische Professorin für Psychiatrie Kay Redfield Jamison schildert die Erlebniswirklichkeit ihrer eigenen bipolaren Störung und zeigt darin auf, wie sich ihre Seelenlandschaft in der Adoleszenz herangebildet hat, welche krankheitsbegünstigende Faktoren – möglicherweise – zum Tragen gekommen sind und was den wiederkehrenden Wechsel zwischen den manischen und den depressiven Episoden zu prägen scheint.
Diese autobiografischen Erzählstränge klingen mit den wissenschaftlichen Blickwinkeln der Autorin zusammen, sodass sich ein hohes sprachstilistisches Niveau entfaltet, das jedweder Überforderungsempfindung konsequent entgegenwirkt. In der rezeptiven Perspektive wird durch eine solche Synergie auch deutlich, warum selbst den befremdenden Zuständen der menschlichen Psyche noch eine eigendynamische Logik zugrunde liegt und wie die direkt Betroffenen nichtsdestotrotz fähig bleiben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Dass die bipolar-gestörten Menschen aus sich selbst heraus die Bereitschaft zeigen, sich externe Unterstützung zu suchen, dass sie imstande sind, sie auch zu finden und dass die therapeutischen Angebote dauerhaft in den Alltag integriert werden können, gehört allerdings zu den Grundbedingungen dieser individuell spezifischen Bewältigungskompetenzen – insbesondere, um das Risiko der sozialen Isolation nachhaltig abzuwenden.


„The essential family guide to Borderline Personality Disorder:
New tools and techniques to stop walking on eggshells“

von Randi Kreger
Hazelden Publishing & Educational Services, 2008
273 Seiten in englischer Sprache, € 28,70

Wer an der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS bzw BPD) erkrankt, zieht üblicherweise auch andere in den psychodynamischen Sog hinein. Aus diesem Grund wird für das soziale Umfeld in der Regel wichtig, adäquate Verhaltensmuster auszuformen, die zur Beibehaltung der persönlichen Psychohygiene herangezogen werden können, zumal die direkt Betroffenen häufig gar nicht – oder erst nach Jahren – eine hinlängliche Einsicht in ihre Erkrankung entwickeln. Im Vergleich zu anderen psychischen Krankheitsbildern werden die Therapieversuche jedenfalls überdurchschnittlich oft vonseiten der Patient_innen abgebrochen.
Die U.S.-amerikanische Sachbuch-Autorin Randi Kreger hat innerhalb ihrer eigenen Urspungsfamilie die prononcierten Einwirkungen von Borderliner_innen hautnah erlebt und – sozial bedingt – zum Teil selbst begleiten müssen. Vor diesem Hintergrund hat sie bereits zahlreiche Publikationen vorgelegt und erfahrungszentrierte Online-Netzwerke geschaffen, die u.a. zum Ziel haben, mithilfe alltagspraktischer Methoden das Zusammenleben zwischen psychisch gesunden und BPS- (bzw. BPD-) kranken Menschen möglichst komplikationsfrei zu ermöglichen.
Um zum Beispiel die Angehörigen darin zu ermutigen, sich situationsgerecht abzugrenzen, stellt Kreger in ihrem Ratgeber „The essential family guide to Borderline Personality Disorder“ fünf kommunikationsbasierte Techniken vor und erläutert im ersten Drittel des Bandes die krankheitsspezifischen Denk- und Verhaltensmuster, die bei BPS (bzw. BPD) gegenwärtig als ‚typisch‘ angesehen werden. Sie verlieren oftmals an Schärfe, sobald man sie hintergründig einzuordnen weiss, statt sie – wie üblich – rundweg persönlich zu nehmen. Der ‚Sache‘ nach zu handeln, statt überwiegend emotional zu reagieren, kann darüber hinaus zusätzliche Entlastung schaffen.


„Codependent no more: How to stop controlling others
and start caring for yourself“

von Melody Beattie
Hazelden Information & Educational Services, 1992
250 Seiten in englischer Sprache, z.Z. vergriffen
In Antiquariaten sicherlich auffindbar

Obwohl ihr Schreibstill vor oberflächlichen Glaubenssätzen förmlich strotzt, trotze ich den Ratgebern der U.S.-Amerikanerin Melody Beattie einige Impulse ab – zumindest zu sporadischen Gelegenheiten. Denn an ihrer Herangehensweise gefällt mir, dass sie die Selbstverantwortung des Individuums jeweils zum thematischen Zentrum ihres Buches macht und dadurch ihre Leserschaft aktiv dazu anhält, die persönlichen Alltagsroutinen mündig zu hinterfragen und ggfs. entschlusskräftig zu verändern.
Im Band über Co-Abhängigkeit stellt Beattie zum Beispiel dar, warum der innere Drang, anderen Menschen helfen zu wollen, nicht unbedingt nur selbstlose Züge trägt, sondern auch Formen manipulativer Selbstablenkung annehmen kann – etwa, wenn man unterschwellig darauf abzielt, die eigenen Probleme zu relativieren, sie zu maskieren oder gänzlich zu verdrängen. Zur Veranschaulichung zieht die Autorin einprägsame Beispiele aus ihrer eigenen Lebensbiografie heran und leitet daraus die weiterführenden Fragestellungen ab. Im Ergebnis erhält man konstruktive Hinweise zur Selbstbeobachtung – und zwar: auf wirklich leicht zugängliche Art.


„Memory, Brain, and Belief“

von Daniel L. Schacter und Elaine Scarry
Harvard University Press, 2001
368 Seiten in englischer Sprache, € 25,20

Das gemeinschaftlich erarbeitete Werk basiert auf einer dreitägigen Konferenz, die vor fast 18 Jahren an der Harvard University (USA) stattgefunden hat, um die Produktion menschlicher Erinnerungen interdisziplinär zu erforschen: Neben den neurowissenschaftlichen Vermutungen zur Verarbeitung individueller Gedächtnisinhalte steht ein sozialwissenschaftliches Gefüge gleichen Ranges, das die Verfestigung normativer Überzeugungen kritisch erhellt.
In der Quintessenz erwächst daraus die Suche nach den Verbindungsstücken zwischen den klassifizierbaren psychopathologischen Zuständen und den allgemein gültigen Annahmen seelischer Gesundheit, zum Beispiel in Bezug auf das Phänomen sogenannter ‚Erinnerungsverfälschung‘ (‚false memories) und diversen Formen gestörten Ich-Erlebens, die insbesondere mit den Schizophrenien assoziiert bleiben werden. Denn:


„Keine Leidenschaft ist stärker in der menschlichen Brust,
als das Verlangen, andere glauben zu machen, was man selbst glaubt.“
“No passion is stronger in the breast of a man
than the desire to make others believe as he believes.“
– Virginia Woolf (1882 – 1941) in ihrem Roman Orlando – 

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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