Aus linguistischer Sicht stehen sogenannte ‚Metaphern‘ üblicherweise für sprachliche Ausdrucksformen, die von ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst werden und in einem ähnlichen, wenngleich anderen Kontext eine neuartige Einbettung finden. Im Unterschied zur sogenannten ‚Analogie‘ erwachsen daraus allerdings keine unmittelbaren Vergleichsebenen.

Vielmehr strebt man mit Metaphern einen übergeordneten Bezugsrahmen an, etwa, um die Sinnhaftigkeit eines Projekts zu veranschaulichen, um die inhärenten Wendepunkte zu segregieren, um die Lösungspfade mental zu verankern oder um die Kernaussagen prägnant zu vermitteln.
Denn: Gerade weil sie ihren Bedeutungsinhalt wechseln, sind Metaphern per se abstrakt und konkret zugleich. Hirnphysiologisch betrachtet, werden sie im Gleichlauf beider Hirnhälften im gleichen Maß aufgeschlüsselt und verarbeitet.
Darüber hinaus setzen die metaphorischen Verbildlichungen oft vorgeprägte Assoziationsketten frei, die den Zugang zum Inhalt teils erleichtern, teils eingrenzen, teils erweitern und teils rhetorisch kolorieren. Ein solcher Effekt stellt sich u.a. durch Wortpaarungen ein, wie zum Beispiel: helle Köpfe, schlaue Füchse, hasenherziges Verhalten, heiße Luft, abendländische Abgesänge oder rosarote Brille. Oder durch einzelne Begriffe wie zum Beispiel: Duckmäuserei, Warteschlange, Getreidemeer, Jammertal, Damoklesschwert, Gedankenflut und dergleichen mehr.

Dadurch werden u.a. kollektive Erfahrungs- und Erlebniswerte wachgerufen, die die innere Barriere zwischen den Interaktionspartner_innen herabsenken können – Barrieren, die oft aus der Situation heraus entstanden sind und die durch die Suggestion eines Gemeinschaftsgefühls abgetragen werden können. 
Manchmal gehen die metaphorischen Redensarten sogar in die Alltagssprache ein – in den Duktus, in dem die Menschen tagtäglich miteinander umgehen, zum Beispiel, wenn der Hund in der Pfanne verrückt wird oder die Maus keinen Faden abbeißt, wenn Bauklötze gestaunt werden, wenn ein politisches Beben eintritt, wenn jemand locker vom Hocker vorgeht, in die Gänge kommt, über den grünen Klee gelobt wird, sich die Beine vertritt, vom Hacken bis zum Nacken bzw. vom Scheitel bis zur Sohle angespannt wirkt oder einfach mal Tacheles redet.

Die Wirkkraft von sinnigen Metaphern setzt jedoch voraus, dass man imstande ist, auf vergleichbare sozio-kulturelle Wissenshorizonte, Erfahrungs- und Gefühlswerte zuzugreifen und dass der rhetorische Effekt keine Bögen überspannt.
Vor diesem Hintergrund ist zum Beispiel nützlich, sich zu vergegenwärtigen, welche Konnotation und Denotation mit der jeweiligen Metapher einhergeht, welche Sachverhalte bzw. Zustände damit bereits belegt sind, ob der Begriff eher Distanzierung oder Nähe anklingen lässt und welche Interpretationsvarianten sonst noch naheliegend erscheinen.
Zudem gilt unter der Prämisse der persönlichen Authentizität, dass die Metaphern kohärent angewendet werden, mit den eigenen Denk- und Verhaltensmustern im Einklang stehen und weder in die Phrasendrescherei abdriften noch allzu platte Klischee- und Kitschbilder wachrufen. Denn:

„Von einer krummen Kerze kann kein gerader Schatten fallen.“
– Paul Winckler (ca. 1630 – 1686), Schriftsteller –

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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  1. Manchmal wäre es besser, nicht der Amazonas, sondern mancher Rubikon wimmele von gefährlichen Bestien.

    Martin Gerhard Reisenberg

  2. Was fängt man mit den zu Tode geredeten Worten an? Es bleibt wohl nur eines: Immer einfacher zu sprechen, denn die Einfachheit widersteht der Zerstörung.

    Romano Guardini

  3. […] ist zu finden auf dem blog von satzbauwerk und man kann ihn bestimmt auch so formulieren, dass ihn ein durchschnittlich gebildeter Bürger […]

    • Guten Tag Frau Blaes,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Wie ich in Ihrem Blog-Beitrag bereits angemerkt habe, ist das Blog von SATZBAUWERK auf Wissensmanagement ausgerichtet. Vor diesem Hintergrund ist mir wichtig, meine Texte so präzise wie möglich zu formulieren. Denn: „Alles sollte so einfach wie möglich gemacht werden, aber nicht einfacher.“ – Albert Einstein –
      Herzliche Grüße, Jana Chantelau

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