„Die Geschichte von Katharina
aus der Sendung mit der Maus“
von Elisabeth Habel
und Dieter Saldecki (1944 – 2006)
Egmont Vgs, 1998
132 Seiten, z.Z. vergriffen

Katharina wird mit einer schweren Behinderung geboren, und dann passiert gerade das, was niemand mehr erwartet: Sie kann plötzlich aus eigener Kraft heraus atmen. Trotz ihrer Muskelschwäche lernt sie, zu sprechen und ihren Körper zu bewegen. So wird es für Katharina möglich, am Kindergarten teilzuhaben und danach sogar ihre Einschulung zu erleben.
Doch eines Morgens geschieht wieder, womit in dem Moment gar kein Mensch rechnet: Katharina liegt tot in ihrem Bett. Einen Brief von Katharinas Großmutter hat die deutsche Kinderfernsehsendung Die Sendung mit der Maus dann zum Anlass genommen, um über Katharinas Leben und Tod zu berichten, um allen voran Katharinas Familie und Freund_innen von ihr erzählen zu lassen. Wegen der hohen Resonanz wurde diese ‚Sachgeschichte‘ danach als Buch veröffentlicht.


„Und was kommt nach tausend?“
von Anette Bley
Ravensburger Buchverlag, 3. Auflage 2011
32 Seiten, € 12,99
Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 4. Lebensjahr

Das Mädchen Lisa ist mit dem altersgebrechlichen Ruheständler Otto befreundet und besucht ihn oft in seinem Garten. Dort besprechen sie die Bedeutung der Naturgesetze, die Sinnhaftigkeit von Bestattungsriten  und von Zahlen, die schier unendlich scheinen. Denn: Was kann nach tausend denn noch kommen?
Als Otto schließlich stirbt, macht sich Lisa Gedanken darüber, warum sie sich gerade traurig und so ratlos fühlt… bis Ottos Frau Olga ihr angesichts des Todes aufzeigt, in welchen Überlegungen ein bisschen Trost zu finden bleibt. Statt tränenverhangen und still zu verharren, ist Lisas Blick auf die Welt bald wieder klar und offen für den Alltag.
Weil die baden-württembergische Künstlerin Anette Bley sowohl als Autorin als auch als Illustratorin für diesen Band verantwortlich zeichnet, gelingt es ihr, in beiden Sparten eine sich wechselseitig verstärkende und kindgerechte Dramaturgie zu entwickeln zum Beispiel, indem ihre farbreich ausgestaltete Bildsprache mit einem nüchtern abgefassten Sprachstil zusammenwirkt und der Garten eine Weile ins Verschwommene gleitet, um zu vermitteln, dass Lisa und Olga noch sehr um Otto trauern.


„Servus Opa, sagte ich leise“
von Elfie Donnelly
Mit acht Zeichnungen von Christian B. Sadil
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv junior), 19. Auflage 2003
144 Seiten, € 6,95
Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 7. Lebensjahr

Als die britische Autorin Elfie Donnelly im Jahr 1977 mit diesem Kinderroman debütierte, gelang ihr eine Erzählung, die wie im Handumdrehen zum Klassiker der Jugendliteratur avancieren sollte. Gleichwohl hatte sie sie zunächst an ihren damals zehn Jahre alten Sohn Christoph gerichtet.
Aus der Perspektive des zehnjährigen Protagonisten Michael schildert Donnelly eine circa sechsmonatige Zeitspanne, in der Michaels freigeistiger Großvater eine Krebsdiagnose erhält, von der Krankheit mehr und mehr gezeichnet wird und schließlich am Krebs verstirbt. Freilich nutzt der Opa seine Lebenszeit davor noch, um im Abseits gängiger Tabus mit seinem Enkel über Sinn- und Alltagsfragen zu reden  etwa über Familienzank, Geschwisterstreit und Schulfreundschaften, über das Altern, diverse Krankheitszustände und den Sprachgebrauch in Todesanzeigen. Den beiden kommt dabei zugute, dass der Opa in derselben Wohnung zuhause ist wie Michael selbst, wie dessen 16-jährige Schwester und deren Eltern.
Weil die ganze Familie obendrein in der Bundeshauptstadt Wien (Österreich) lebt, ist Donnellys Sprachstil vom Lokalkolorit geprägt, zum Teil auch vom Dialekt und von der Wiener Humorigkeit. Zudem untermalen acht Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Christian B. Sadil die erzählerische Atmosphäre mit realistischer Empfindsamkeit.


„Herzblut: In meinem Herzen stirbst du nicht“
von Simone Veenstra
Franckh Kosmos Verlag, 2015
256 Seiten, € 12,99
Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 14. Lebensjahr

Der Thriller von Simone Veenstra handelt von nur schwerlich zu akzeptierenden Todesfällen und richtet sich an eine Leserschaft, die ihre Teenagerzeit fast bewältigt hat. Aus diesem Grund greift die in Berlin lebende Autorin eine Reihe zwischenmenschlicher Konflikte auf, die zwar unterschiedliche psychodynamische Ursprünge nehmen, zum Ende der Pubertät jedoch als durchaus ‚typisch‘ gelten können. Weil sie allesamt um die Fragen nach Liebe, Zugehörigkeit und Identität kreisen, werden heranwachsende Leser_innen ihre persönlichen Identifikationspunkte darin finden und der erzählerischen Auflösung regelrecht entgegenfiebern.
Dass das Lesevergnügen nichtsdestominder auch für Menschen in der Lebensmitte noch erhalten bleibt, liegt aus meiner Sicht an der fast filmischen Erzählweise: Sie gliedert sich nämlich in kurze Kapitel und stützt sich auf wirkmächtige Sprachbilder, die den Plot direkt ins Kopfkino übertragen. Die handlungstragenden Szenen haben eine angemessene Detailgenauigkeit, auch die zentralen Figuren sind mit einem jeweils eigenen Tiefgang versehen. Gerade deswegen wirkt der Stoff auf mich schlussendlich wie eine Reminiszenz an Jean Cocteau (1889 – 1963):

„Behutsam schließt man die Augen der Toten;
ebenso behutsam muss man den Lebenden die Augen öffnen.“
– Jean Cocteau (1889 – 1963, französischer Schriftsteller, Regisseur und Maler) –

„The eyes of the dead are closed gently;
we also have to open gently the eyes of the living.“
– Jean Cocteau (1889 – 1963, French writer, film director and painter) –

Über SATZBAUWERK - Jana V. Chantelau

In Berlin leite ich die Agentur SATZBAUWERK. Meine Schwerpunkte liegen in der Texterstellung, Kampagnen-Planung und Krisenkommunikation.

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