Buch-Tipps: Empfehlungen für junge Leser und Leserinnen

Buch-Tipps von Jana Chantelau: Empfehlungen für junge Leser und Leserinnen

Symbolbild

„Ein Tiger kommt zum Tee“
von Judith Kerr
Übersetzung: Gundula Müller-Wallraf
Knesebeck Verlag, 2012
32 Seiten, € 12,95
Vom Verlag empfohlenes Alter:
ab 4. Lebensjahr

Als ich ein Kind war, lag meine Begabung u.a. darin, magisch denken zu können – an außergewöhnlichen Orten, sogar in mehreren Sprachen. Zum Tee fand trotzdem noch kein Tiger jemals zu mir.

Doch zum Glück können die Protagonistinnen von Judith Kerr – nämlich die kleine Sophie und ihre Mutter – sehr anschaulich schildern, was im Rahmen der Möglichkeiten liegt, wenn eine Großkatze hungrig die Ordnung der Raubtiere verlässt und dann wie selbstverständlich einen Platz am bereits gedeckten Tisch einnimmt.
Zu dieser quicklebendigen Darstellung hat Kerr bereits im Jahr 1968 gefunden, nachdem ihre damals dreijährige Tochter sie zu einem Besuch im Zoo begleitet hatte.

 

„Hurra, Eberhard Wutz ist wieder da!“
von Tatjana Hauptmann
Diogenes Verlag, 2. Auflage, 1995
32 Seiten, € 16,90
Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 5. Lebensjahr

Dieses Bilderbuch kommt von der ersten bis zur letzten Seite mit nur vier Worten und einem Namen aus, nämlich: „Hurra, Eberhard Wutz ist wieder da!“ Ansonsten gilt, dass ein Bild meist mehr sagt als ein Dutzend Buchstaben. Denn die Illustratorin Tatjana Hauptmann setzt rein visuell und ziemlich gekonnt in Szene, wie der Eber Eberhard von einer Schiffsreise heimkehrt, die ihn u.a. nach Ägypten und Tunesien gebracht hatte. Nun führt er einige Souvenirs mit sich. Und für seine Schweine-Familie hat Eberhard einige Kisten mit Fotos, Filmen und Abenteuergeschichten im Gepäck.

 

„Die Flöhe in der Oper“
von Fulvio Tomizza (1935-1999), mit farbigen Illustrationen von Axel Scheffler
Übersetzung und Anhang über die Oper: Edmund Jacoby
Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 10. Lebensjahr
Gerstenberg-Verlag, 1999
51 Seiten, z.Z. vergriffen

Von der Welt der Oper sind die vier Generationen der Floh-Familie Hupf sehr eingenommen und ergriffen – fast so wie ich. Zwar werden sie davon keineswegs in den Bann gezogen. Und doch ist es kein Zufall, dass sich die Hupfs ausgerechnet auf dem Dachboden eines Opernhauses niedergelassen haben. Ihnen gefällt nämlich der Verhaltenskodex der Gäste, die eigene Neugier am Orchester, die Strahlkraft der Solisten und Solistinnen, das Charisma des Dirigenten, die Wirkung der Kompositionen und die Variantenvielfalt der musikalischen Arrangements.
Von jung bis alt entschließen sich die Flöhe folglich bald dazu, an diesem virtuosen Ineinandergreifen aktiv teilzuhaben, statt wie bisher im Seitenflügel oder hinter den Kulissen halbwegs sittsam zu verharren. Ihre wagemutigen Sprünge auf die Bühnenbretter, in die Reihen des Parkettsaals und bis hinauf in die Balkonlogen bringt den Familienmitgliedern flugs mächtig Spaß, humoresque Spielfreude und spontanen Beifall. Obendrein entsteht dabei ein Gemeinschaftserlebnis, das die Kleininsekten mit den Menschen verbinden kann, und in der Freiheit der Gedanken sogar noch stundenlang in ihnen nachklingt.
Im Anschluss an den letzten Akt erklärt der Übersetzer Edmund Jacoby in leicht verständlichen Worten, was zum Genre der Oper wissenswert ist und welche Bedeutung die Fachbegriffe haben, die oft genug an manchen Opernhäusern herumkursieren.

 

„Viel Spaß mit Onkel Tobi: Alle Geschichten in einem Band“
von Hans-Georg Lenzen, mit bunten Bildern von Sigrid Fehse Hanck
cbj Verlag, 6. Auflage 1994
128 Seiten, € 15,00
Vom Verlag empfohlenes Alter: ab 4. Lebensjahr

Onkel Tobi lebt mit seinen Haus- und Hoftieren auf dem Land. Er ist ein hilfsbereiter Juggeselle und tauscht sich gern mit seinen Nachbarn aus – zum Beispiel darüber, was auf der Einkaufliste vielleicht noch fehlt, ob der Rummel in der Stadt sich in diesem Jahr auch wieder lohnt und aus welchen Ländern die Dampfer kommen, die auf der Kanalbrücke bereits in Sicht geraten.
Die vier Geschichten über Onkel Tobi werden durchweg in schlichten Reimen erzählt. Das, was dabei offen bleibt, macht mindestens so neugierig wie die Ereignisse, die Tobi erlebt, feiert und für andere fröhlich zusammenfasst.